19.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Papst Benedikt XVI. und der Rabbiner Teitelbaum in der Kölner Synagoge.
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Papst Benedikt XVI. hat am Freitag die Vertreter anderer Kirchen und Religionen getroffen. Zentrale Veranstaltung war der Besuch einer Synagoge in Köln. Thema: Weltjugendtag 2005 Papst-Rede in der Kölner Synagoge Deutsche Presse würdigt «Popemania» Geld verdienen mit Papst-SMS Spiegel: Papst-Besuch Basis für Verständigung Ein Kopfmensch als «Menschenfischer»
Papst Benedikt XVI. hat am Freitag in der Kölner Synagoge Juden und Christen aufgerufen, für eine bessere Welt zu kämpfen. Unser Blick sollte nicht nur zurück in die Geschichte gehen, er sollte ebenso auf die Zukunft gerichtet sein, sagte Joseph Ratzinger bei seinem historischen Besuch. Der 78-Jährige gedachte der sechs Millionen Opfer des Holocaust und sprach über das Verhältnis von Juden und Christen.
Benedikt XVI. ist der erste Papst, der eine Synagoge in Deutschland besucht. Die Kölner jüdische Gemeinde empfing ihn im Gebäude in der Roonstraße. Der Papst geißelte den Nationalsozialismus. Er ging jedoch nicht auf die Mitschuld von Christen oder der katholischen Kirche am Antisemitismus ein. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte dies in seinem «Mea Culpa» im Februar 2000 getan.
Zehn Gebote als gemeinsames Erbe«Im 20. Jahrhundert hat dann in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte eine wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie zu dem staatlich geplanten und systematisch ins Werk gesetzten Versuch der Auslöschung des europäischen Judentums geführt, zu dem, was als die Schoah in die Geschichte eingegangen ist», sagte Ratzinger.
Der Papst beschwor die alttestamentarischen Zehn Gebote als «gemeinsames Erbe und gemeinsame Verpflichtung» von Juden und Christen. Beide Religionen sollten praktisch zusammenarbeiten «in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte und der Heiligkeit des menschlichen Lebens, für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für den Frieden in der Welt».
Bei dem Besuch des Papstes waren auch Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und andere zahlreiche Politiker sowie Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche anwesend.
Jüdische Repräsentanten lobten die Papst-Rede, nach der sich die Zuhörer in der Synagoge von den Sitzen erhoben und applaudierten. Der Rabbiner der Gemeinde, Netanel Teitelbaum, sagte: «Ihr Besuch heute ist ein Schritt zum Frieden zwischen den Völkern der Welt, ein Zeichen gegen den früheren kirchlichen Antisemitismus.» Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erklärte tief beeindruckt: «Die Geste des Besuchs und die Rede wirkt hoffnungsvoll in die Zukunft». Junge Mitglieder der jüdischen Gemeinde schenkten dem Papst eine Schofar.
Am Nachmittag traf der Papst dann zwölf junge Pilger des Weltjugendtags aus fünf Kontinenten zu einem Mittagessen. Er sei locker, unkompliziert und einfühlsam, sagten die Jugendlichen danach. «Er ist wirklich ein Geschenk, dieser Papst, den wir jetzt haben», meinte Nicolas Ossandon (19) aus Chile. Später nahm der Papst auf dem Weg zu einem Seminaristen-Treffen ein überraschendes Bad in der Menge. Das letzte Stück zur Kirche St. Pantaleon ging Benedikt XVI. zu Fuß, drückte viele Hände, die die jubelnden Menschen ihm entgegenstreckten, und legte seine Hände ans Gesicht eines sechsjährigen krebskranken Jungen.
Empfang in der Villa HammerschmidtAm Morgen war Papst Benedikt XVI. von Bundespräsident Horst Köhler in der Villa Hammerschmidt, dem Dienstsitz des Bundespräsidenten, in Bonn empfangen worden. Der Papst trug sich ins Gästebuch ein. Anschließend zogen sich Köhler und Benedikt XVI. zu einem vertraulichen Gespräch ins Kaminzimmer der Villa zurück. Der Besuch in der Villa Hammerschmidt dauerte rund eine Stunde.
Köhler wollte mit dem Pontifex vor allem über gesellschaftliche Umbrüche sprechen. «Wie schaffen wir es, die deutsche Gesellschaft zusammen zu halten und was können die Kirche und der Bundespräsident dazu beitragen», sagte er vor dem Treffen.
Derzeit empfängt der Papst im Erzbischöflichen Haus Vertreter der evangelischen und orthodoxen Kirche, darunter auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, will dabei den Einsatz von Papst Benedikt XVI. für die Ökumene würdigen. (nz)