Bund-Szenario:160.000 Vogelgrippe-Tote
18.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Es klingt wie ein Horrorszenario aus einem Science-Fiction-Film: Eine tödliche Seuche breitet sich weltweit aus, sorgt selbst in hochzivilisierten Ländern für Chaos und kostet Millionen von Menschen das Leben.
Nach Infektionen mit dem Virus H5N1 starben neben hunderttausenden Vögeln mindestens 60 Menschen. Das Zahlenverhältnis zeigt bereits, dass sich der Erreger vor allem unter Tieren rasant ausbreitet, für den Menschen aber kaum ansteckend ist - was sich allerdings rasch ändern könnte, wie Experten befürchten. H5N1 könnte sich demnach mit einem menschlichen Grippe-Virus zu einer tödlichen und hochansteckenden neuen Variante verbünden, die sich dann mit Leichtigkeit von Mensch zu Mensch übertragen würde. Die Folge: Eine Epidemie.
Die sehr gefährliche Variante des Virus H5N1 bedroht derzeit Europa. Vor einigen Wochen befiel es Hühner in Kasachstan und Sibirien, erste Anzeichen der Krankheit gibt es zudem aus dem Ural, der als geographische Grenze zu Europa gilt. Zwar wurden inzwischen Importverbote für Vogelprodukte aus den betroffenen Gebieten erlassen. Eine Übertragung über Zugvögel aber lässt sich damit nicht verhindern. Auch die Warnung des Bundesverbraucherministeriums an Reisende, in den betroffenen Ländern den Kontakt zu jeglichem Federvieh zu vermeiden, wird dagegen nichts ausrichten können.
Unter enormem Zeitdruck arbeiten Forscher weltweit an Impfstoffen gegen H5N1, erste Erfolgsmeldungen kommen unter anderem aus Deutschland: Am Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems entwickelten Forscher einen Impfstoff für Tiere, der vor seiner Zulassung allerdings noch weitere Tests durchlaufen muss. Anfang August vermeldeten Wissenschaftler aus den USA einen bedeutenden Fortschritt bei Impfstoffen für den Menschen. Bis zum fertigen Serum allerdings werden wohl noch mehrere Monate vergehen.
Die Menge entspricht Erfahrungen bei vergangenen Pandemien, wie die Sprecherin des Instituts, Susanne Glasmacher, sagt. Versorgt werden sollen vor allem ältere und kranke Menschen sowie Ärzte, Krankenschwestern, Rettungshelfer und Polizisten, damit die Zahl der Todesfälle gering bleibt. Trotz einer Pandemie soll die öffentliche Gesundheitsversorgung und Ordnung aufrecht erhalten bleiben, bis ein Impfstoff entwickelt ist.
Hamburg sorgt für nicht einmal zehn Prozent seiner Bevölkerung vor, in Bremen und Sachsen-Anhalt sind es gerade 4,5 Prozent. Die Länder verweisen darauf, dass sie sich im Notfall gegenseitig aushelfen könnten. Dem liegt allerdings die Annahme zu Grunde, dass die Grippe-Pandemie nicht flächendeckend und gleichzeitig über Deutschland hereinbricht. Das Robert-Koch-Institut hält den Medikamenten-Vorrat der Länder laut seiner Sprecherin für zu gering, zwingen könne man die Bundesländer aber nicht, sagt Glasmacher. Wie Hochrechnungen des Instituts für den Ernstfall zeigen, ist alleine in Deutschland mit bis zu 600.000 Kranken und 160.000 Toten zu rechnen.

