netzeitung.deDeutschland forciert Schutz vor Vogelgrippe

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Töten von infiziertem Geflügel in Russland (Foto: dpa <br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Töten von infiziertem Geflügel in Russland
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auf einem Expertentreffen will die Bundesregierung über den Schutz vor der vorrückenden Vogelgrippe beraten. Ein in Deutschland entwickelter Impfstoff könnte eine Epidemie verhindern.

Deutschland bereitet sich auf den Schutz einheimischer Geflügelbestände vor der aus Asien anrückenden Vogelgrippe vor. Nachdem sich bereits Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) besorgt über mögliche Folgen gezeigt hatte, will sich Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) mit Experten treffen. Dabei sollen mögliche Gegenmaßnahmen vorbereitet werden. Ergebnisse will die Grünen-Politikerin am Freitag bekannt geben.

Begleitet wird die Ministerin dabei vom Leiter des Friedrich Loeffler Instituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleitner. Er entwickelte nach Angaben des Bundesinstituts mit anderen Molekularbiologen einen neuartigen Impfstoff gegen die Vogelgrippe. Entsprechende erste Versuchsreihen seien erfolgreich abgeschlossen worden, hieß es.

Die Wissenschaftler hätten dazu auf die Ergebnisse molekularbiologischer Grundlagenforschung zurückgegriffen. Ein Geflügel-Herpesvirus sei dabei so verändert worden, dass es seine krankmachenden Eigenschaften für Hühner zwar verloren habe, aber trotzdem zu einem guten Immunschutz im geimpften Tier geführt habe.

Der Bundesgrenzschutz sei auf Einreisekontrollen sowie auf die Kontrolle von Tierimporten intensiv vorbereitet worden, hieß es aus dem Bundesinnenministerium. Bei den deutschen Botschaften der von der Vogelgrippe betroffenen Länder liege ein Informationsblatt mit Verhaltensempfehlungen für Reisende aus. Vermieden werden sollen danach asiatische Geflügelmärkte sowie das Berühren von kranken Tieren aus falsch verstandener Tierliebe.

Mögliche Gefahren für im Ausland lebende oder ins Ausland reisende Deutsche beschäftigen das Auswärtige Amt seit langem, wie Sprecher Walter Lindner sagte. Die Beobachtung der jeweiligen Gefährdungslage flössen in die Reisehinweise des Amtes ein, die Interessenten im Internet abrufen können. Die Hinweise auf Vogelgrippe seien in Hinweisen für die betroffenen Länder Asiens bereits enthalten.

Mit dem Robert Koch-Institut und anderen Forschungseinrichtungen erarbeitet das Auswärtige Amt den Angaben zufolge aktuelle Lagebilder für Reisende, die in Kürze auf der Außenministeriums-Internetseite abgerufen werden könnten.

In Russland wachsen nach dem Auftreten der Vogelgrippe in Sibirien Befürchtungen, dass sich die Seuche nach Westen ausbreitet. Zugvögel könnten das Virus bis Herbst in die Gebiete am Schwarzen und Kaspischen Meer bringen. Bis zum Frühjahr könnte dann auch der europäische Teil Russlands betroffen sein. In Sibirien seien bisher vorsorglich mehr als 11.000 Hühner, Gänse und anderes Geflügel vorsorglich getötet worden.

Die Seuche grassiert seit 2003 in Asien. Da der Erreger H5N1 auf den Menschen überspringen konnte, kamen bisher mindestens 60 Menschen überwiegend in Vietnam und Thailand ums Leben. Weltweit starben nach Informationen des Bundesinnenministeriums infolge der Vogelgrippe etwa 150 Menschen, wie Sprecher Rainer Lingenthal mitteilte. (nz)