16.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
"Die Welt ist in Deutschland angekommen" - Pilger in Köln
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Hunderte Fahnen vor dem Dom, Lieder auf den Straßen, Willkommens-Umarmungen an jeder Ecke: Köln ist seit Dienstag fest in der Hand der Weltjugendtags-Pilger. Über ein kontroverses Thema wird bereits diskutiert.
Der XX. katholische Weltjugendtag ist am Dienstagabend mit Gottesdiensten in Köln, Düsseldorf und Bonn feierlich eröffnet worden. Bundespräsident Horst Köhler rief die jungen Teilnehmer in Köln auf, sich vereint für Frieden und Umweltschutz einzusetzen. Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, sagte in seiner Predigt, die jungen Pilger seien die Zukunft der Kirche und die Zukunft der Welt. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, appellierte in Düsseldorf an die Jugendlichen, auf den Ruf Gottes zu hören.
Köhler betonte in seiner Grußbotschaft, «nur gemeinsam können wir in unserer einen Welt Frieden schaffen und wahren, für Gerechtigkeit sorgen und unsere Umwelt schützen». Kardinal Lehmann sagte, hinter dem Andrang zum Weltjugendtag steckten nicht nur große Sehnsüchte nach Frieden, Bekämpfung von Armut und einer «Kultur der Liebe», sondern auch ein tieferer Grund. «Den Ruf Gottes und auch den Ruf Jesu kann man daran erkennen, dass er uns aus der Masse, wo wir uns eher verstecken können, und den Gewohnheiten unseres Lebens herausreißt», so der Bischof in seiner Predigt. Kardinal Meisner appellierte an die jungen Pilger, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.
Papst kommt am DonnerstagHöhepunkt des sechstägigen Treffens ist die Visite von Papst Benedikt XVI. Er kommt am Donnerstag und feiert am Sonntag die Abschlussmesse vor 800.000 erwarteten Gläubigen. Auf dem Programm des Papstes stehen unter anderem ein Besuch in der Synagoge der Kölner jüdischen Gemeinde und Gespräche mit Protestanten und Muslimen.
Meisner erinnerte an Benedikts Vorgänger Johannes Paul II.: «Der XX. Weltjugendtag ist der erste mit zwei Päpsten», sagte der Kardinal. Johannes Paul II. hatte die Jugendtreffen ins Leben gerufen und auch noch nach Köln eingeladen. Er blicke nun vom Himmel auf das Treffen, sagte Meisner.
Tief beeindruckt zeigten sich Veranstalter und Ausrichter von der Resonanz auf den Weltjugendtag. Bislang hätten sich 405.000 Pilger angemeldet, so viel wie nie zuvor in der 20-jährigen Geschichte des Treffens, erklärte Meisner auf der Eröffnungs-Pressekonferenz. Hinzu kämen 9.805 Priester, 759 Bischöfe, 60 Kardinäle und mehr als 7.700 Journalisten.
Das Jugendtreffen soll nach dem Willen von Meisner die Freude am Glauben wecken. «Ein solches Ereignis hat es weder vor noch nach der Ankunft der Heiligen Drei Könige in Köln gegeben», sagte der Kölner Erzbischof. Die Gesellschaft brauche solche Zeichen: «Wir wollen, dass der Weltjugendtag ein tiefes, geistiges Ereignis nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt wird.»
Debatte über SexualmoralBereits am Auftakttag wurde intensiv über ein erstes, kontroverses Thema diskutiert. Viele junge Pilger sagten, sie seien für spirituelle Erlebnisse nach Köln gekommen, hätten mit einigen Positionen der Kirche zu Sexualmoral oder Frauenpriestertum aber Probleme. «Ich glaube nicht, dass in meiner Generation viele den erhobenen Zeigefinger beachten», meinte Amy (22) aus Irland. Außerdem sollten auch Frauen Priester werden dürfen. «Die Lehren der Kirche sind für mich wie ein Buffet, von dem ich mir aussuche, was mir liegt», sagte Caroline (24) aus der Karibik.
Schwule und lesbische Organisationen verlangten vom Papst einen offenen Dialog über Homosexualität. «Ich würde mir wünschen, dass sich das Verhältnis entspannt, ohne dass man erwartet, dass die Kirche ihre grundsätzliche Überzeugung verrät», sagte dazu Heiner Koch, Generalsekretär des Weltjugendtags. (nz)