netzeitung.deWeltjugendtag: Strenge Visa-Vergabe bleibt

 Herausgeber: netzeitung.de

Kardinal Karl Lehmann (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kardinal Karl Lehmann
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Auswärtige Amt verweigert rund 1000 Besuchern des Weltjugendtages das Einreisevisum. Die katholische Kirche zeigt Verständnis - und verhandelt weiter.

Die Deutsche Bischofskonferenz setzt sich nach eigenen Angaben weiter dafür ein, dass alle eingeladenen Jugendlichen zum Weltjugendtag nach Köln kommen können. Laut dem Konferenz-Vorsitzenden Kardinal Karl Lehmann haben etwa 1000 Personen aus den Philippinen, Togo, Kamerun und Nigeria noch keine Einreisevisa erhalten. Das sind etwa 35 Prozent der Angemeldeten aus den betroffenen Ländern. Nach intensiven Gesprächen mit dem Auswärtigen Amt habe die deutsche Botschaft in Manila für 46 weitere philippinische Jugendliche ein Visum zugesagt.

Lehmann zeigte Verständnis für die strenge Visapraxis des Auswärtigen Amtes. Immer wieder seien nach Weltjugendtagen Teilnehmer nicht in ihre Heimatländer zurückgekehrt, sagte er. So seien in Rom rund 2000, in Toronto bis zu 800 ausländische Gäste im Land geblieben. Darüber hinaus sei vor kurzem eine Schleuserbande in den Philippinen enttarnt worden, die über den Weltjugendtag Menschen nach Deutschland schleusen wollte.
Angst vor Anschlägen bei Behörden
Ein weiterer Grund für die Visapraxis ist laut Lehmann die gestiegene Vorsicht in den deutschen Botschaften nach den Anschlägen von London. «Das ist ein Problem, das durch die Anschläge in London sensibilisiert worden ist», sagte Lehmann in Mainz.

Er gehe aber davon aus, dass weitere Betroffene bis zum Beginn des Weltjugendtags am Dienstag ein Visum erhielten. Zur heftigen Kritik des Limburger Bischofs Franz Kamphaus sagte Lehmann: «Ich würde nicht das Wort Skandal sofort benutzen.» Der Limburger Bischof Franz Kamphaus hatte die strenge Visavergabe in der Deutschen Botschaft in Kamerun «eine Schande» für Deutschland genannt.

Auswärtiges Amt hält an Visapraxis fest
Das Auswärtige Amt hat unterdessen angekündigt, an der strengen Visapraxis festzuhalten. Man stehe aber im ständigen Kontakt mit den Organisatoren des Weltjugendtages, sagte ein Sprecher des Amtes.

Dem Ministerium zufolge haben sich 394.000 Menschen aus mehr als 190 Ländern zum Weltjugendtag angemeldet. Davon kommen rund 300.000 Jugendliche aus dem Ausland. (nz)