netzeitung.deVersteckte Nazi-Symbole im Alltag

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Rechtsradikaler bei NPD-Demonstration in Dresden (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Rechtsradikaler bei NPD-Demonstration in Dresden
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die rechtsextreme Szene bedient sich verschiedener Kleidermarken, Zahlen und Symbole, um ihr Wir-Gefühl zu festigen. Für Außenstehende sind die Nazi-Zeichen oft nicht zu erkennen.

Der glatzköpfige Charly musste im März 2005 nach nur vier Tagen das Big-Brother-Haus verlassen. Eine der vielen Tätowierungen auf seinem Körper hatte für Aufregung gesorgt. Auf seinem rechten Oberarm hatte er eine Tätowierung, die wie das SS-Zeichen aussah. Angeblich sei das nur ein Symbol seiner Lieblingsband Kiss, sagte der 42-jährige. Mit dieser Begründung kam er jedoch beim Sender nicht durch, konnte er doch nicht erklären, warum er nur die letzten beiden Buchstaben des Bandnamens eintätowiert hatte.

Allerdings benutzte die Band Kiss in ihrem Bandlogo tatsächlich eine Schreibweise, die stark an die Nazi-SS-Runen erinnert. Das doppelte SS löste 1980 während der «Unmasked»-Tournee der Band in Deutschland Proteste und Debatten aus, die schließlich zum Verbot des Band-Logos führten, wie «Spiegel Online» berichtet. Die Plattenfirma EMI änderte sogar das Plattencover in Deutschland und tauschte die kantigen Buchstaben gegen runde aus.

Stärkung des Wir-Gefühls
Die Zeichensprache von Rechtsextremisten sei oftmals nicht so leicht zu entschlüsseln. So besetzen Neonazis bekannte Symbole und stärken mit diesen Zeichen ihr Wir-Gefühl, wie das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA-NRW) in Nordrhein-Westfalen auf seiner Homepage schreibt. Mit der Besetzung der Zeichen versuchten sie, in den öffentlichen Raum einzudringen.

Nur Kenner der Szene sollen die Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund bei Kleidermarken, keltischen Symbolen oder Zahlencodes sehen können, so das IDA-NRW. Häufig werde mit solchen Zeichen unwissend umgegangen, weil es an Aufklärung fehle. Doch müssen die Hinweise nicht immer auf einen rechtsextremen Hintergrund zutreffen, wie der Fall des Kiss-Tattoos zeigt. In Europa wird zuzeit eine Debatte über ein generelles Verbot von Nazisymbolen in ganz Europa geführt.

Von Markenkleidern und Masterrace
Eine Jacke von «Lonsdale» könne ein neutrales Kleidungsstück sein oder ein Ausdruck rechtsextremer Gesinnung. Denn im Schriftbild der Marke verberge sich »nsda«, und diese Buchstabenfolge stehe für die Partei Hilters, die NSDAP. Sogar noch deutlicher sei dieser Buchstabencode bei der Marke «Consdaple» zu erkennen, weil das «p» nicht abgeschnitten ist.

Auch Polohemden von «Fred-Perry», die mittlerweiler auch mit dem Zahlencode «88» im Lobeerkranz produziert werden, seien bei rechtsextremen Jugendlichen beliebt. Zudem sollen mancherorts T-Shirts und Jacken der Marke «Helly Hansen» mit dem Logo «H.H.» ein Renner sein, weil auch sie den verbotenen NS-Gruß zeigen würden. Die Marken «Pitbull», «Dobermann» und «Troublemaker» stammen dagegen aus der Hooligan-Szene und sollen für «Männlichkeit» und «Härte» stehen, so schreibt das IDA-NRW.

Eindeutig dem rechtsextremen Milieu zuzurechen seien Marken, die von Rechten für Rechte produziert werden. Die so genannten «Nationalen Marken» sollen die Gesinnung deutlicher ausdrücken als Kultmarken von Skins und Hooligans. Zu diesen Marken sollen «Walhalla», «Hate Core», «Patriot», «Masterrace», «Consdaple» und «Endzeit» gehören. Diese präsentierten sich oftmals mit dem Boxsport-typischen Design von Schriftzügen, die sich in der Wortmitte verengen bzw. verkleinern, so das IDA-NRW. Die Schriftzüge von Bands wie «Landser» oder «Skrewdriver» sind sogar verboten, genauso wie das Symbol der Bekleidungsmarke «Thor Steinar».
«88» steht für Heil Hitler
Bestimmte Zahlen- und Buchstabencodes sollen die Zugehörigkeit zur Szene demonstrieren. Die verwendeten Ziffern bezeichneten die Platzierung der Buchstaben im Alphabet. Die Nummer «18» wäre dann «AH» und dem IDA zufolge stehe sie für Adolf Hitler. Das Kürzel «88» stehe für den verbotenen Gruß «Heil Hitler» und «28» für «Blood & Honor Division Deutschland», eine verbotene-Neonnazi Organisation. Die Abkürzung «KKK» sei ein Zeichen für den US-amerikanischen rassistischen Geheimbund Ku Klux Klan.

Hinter der «14» oder auch «14 Words» werde ein Hinweis auf die rassistische Losung des amerikanischen Rechtsextremisten David Lane gegeben, die aus 14 Worten besteht: «We must secure the existence of our race and a future for white children» (Wir müssen die Existenz unserer Rasse und eine Zukunft für weiße Kinder sichern), so die Nachrichtenagentur dpa.

«Die rechte Strategie heißt: Symbole besetzen»
Zudem mache sich die rechtsradikale Szene germanische und keltische Symbole zu Eigen. Symbole aus der germanischen Mythologie seien oft als Aufnäher oder Aufkleber zu sehen. Die so genannte Wolfsangel, die Odalrune und das Keltenkreuz sind nur bedingt strafbar. Als Schmuckstück sei «Thors-Hammer» bei Rechtsextremen äußerst beliebt, vermutlich vor allem wegen seiner Kampfsymbolik. Thor ist in der germanischen Mythologie Sohn Odins und Donner-, Gewitter- und Fruchtbarkeitsgott. Das wohl bekannteste verbotene Symbol ist das Hakenkreuz. Verboten ist aber auch die Doppelsigrune – das Abzeichen der SS.

Angeblich versuchen Neonazis keltische und germanische Zeichen mit einem rechtsextremen Code zu besetzen. Das Keltenkreuz, das als Steinkreuz an vielen Orten Irlands und Schottlands zu finden ist, werde schon lange von Rassisten verwendet. Als rechtsextremes Symbol wurde es durch die Internetseite »Stormfront« des US-Rassisten Don Black bekannt. Mit dem Slogan «White Pride - World Wide» (Weißer Stolz – weltweit) soll die Überlegenheit der «Weißen» zum Ausdruck gebracht werden. Von Neonazis soll das Keltenkreuz als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz als Gürtelschnalle, auf dem T-Shirt oder als Flagge getragen werden, berichtet das IDA-NRW.


Für das Web ediert von Claus Wunn