Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Bundeswehr: So viele Beschwerden wie nie

15. Mrz 2005 17:11
Bundeswehreinsatz in Mazedonien
Die Bundeswehrsoldaten haben sich im vergangenen Jahr so häufig nie zuvor über Missstände beschwert. Die Zahl der Misshandlungen hat sich fast verdoppelt.

Bei deutschen Soldaten wächst die Unzufriedenheit. Das legen die Ergebnisse des jüngsten Berichts des Wehrbeauftragten des Bundestags, Willfried Penner, nahe, der am Dienstag in Berlin vorgelegt wurde. Danach haben sich noch nie so viele Soldaten und Soldatinnen über Missstände beschwert.

Mehr in der Netzeitung:
Insgesamt gingen 6154 Beschwerden bei insgesamt 264.000 Soldaten ein. Besonders heikel: das Thema Misshandlungen. Die Zahl der im Jahresbericht erwähnten Fälle hat sich auf 94 erhöht (2003: 58). Unter dem Stichwort «besondere Vorkommnisse» listeten der Wehrbeauftragte und das Verteidigungsministerium schwere Misshandlungen auf: So etwa ein «Nierenspiel», bei dem sich zwei betrunkene Soldaten abwechselnd auf die Nieren schlugen. Einer der beiden erlitt einen Riss der Milz, die in einer Notoperation entfernt werden musste.

Kritik an Auslandseinsätzen

Dem Bericht zufolge werden in den Kasernen nach wie vor Fälle von Rechtsextremismus registriert. In 2004 waren es 134 Vorgänge (2003: 139). Dazu habe das Grölen von Nazi-Parolen und der «Hitler-Gruß» gehört - zumeist ausgeführt von Soldaten in alkoholisiertem Zustand.

Kritik gibt es den Angaben nach auch an den Auslandseinsätzen. «Der Sinn von Einsätzen muss aus Sicht der Soldaten erkennbar sein und erklärt werden können», forderte Penner. So könne ein Einsatz auf dem Balkan aus Soldaten-Sicht Sinn machen, weil damit Massenflucht in den Westen verhindert werde. Ein Einsatz in Afghanistan stärke Zweifel, weil die Bekämpfung des Anbaus von Drogenpflanzen unterbleiben müsse.

Chronischer Geldmangel

In 159 Fällen wurde der Verdacht sexuellen Fehlverhaltens gegen Frauen geäußert. (2003: 112). Die Beschwerden reichen von verbalen Zudringlichkeiten bis zu körperlichen Kontakten oder eindeutigen Kurzmitteilungen per Handy.

Penner beklagte bei der Vorstellung des Berichts auch, dass wegen chronischen Geldmangels die Bundeswehr Kasernen in Westdeutschland nicht mehr instandhalten kann. Schimmelbefall, marode Installationen, erneuerungsbedürftige Sanitärräume, Überbelegung, verschlissene Matratzen und kaputte Fensterrahmen seien keine Seltenheit. Nicht nur, aber auch auf Geldmangel führte der Wehrbeauftragte Ausrüstungsmängel im Einsatz zurück: Fehlende Funkgeräte für Patrouillen, teilweise fehlende Kampfrucksäcke in Tarndruck, Kampfschuhe in Tropenausführung oder Bergschuhe. Die ostdeutschen Kasernen seien dagegen besser ausgerüstet und «durchweg in gutem Zustand». (nz)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.