Verschärfte Kritik an Schröders Nato-Vorstoß
Die FDP sprach von einem schweren außenpolitischen Fehler des Bundeskanzlers. «Man kann nicht eine bewährte Struktur in Frage stellen, bevor man nicht etwas Besseres hat», sagte Parteichef Guido Westerwelle. Schröders Rede habe «den Spalt im transatlantischen Verhältnis größer gemacht.»
Auch international fallen die Reaktionen weiterhin zurückhaltend aus. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte der «Berliner Zeitung»: «Die Nato hat nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt.» Man solle «Dinge nicht dramatisieren, die nicht dramatisch sind». Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer betonte, die Allianz sei «sowohl militärisch als auch politisch tätig, um die momentanen
Herausforderungen anzunehmen. Der Nato-Rat sollte und wird politisch genutzt, wo man diskutieren kann.»
Verteidigungsminister Struck, der in München die Rede für den erkrankten Schröder gehalten hatte, sagte am Montag dem RBB: «Wir wollen die Nato effektiver werden lassen, wir wollen sie nicht sterben lassen.» Der Kanzler habe kritisch die Realität der letzten Jahre angesprochen.
Schröder hat in der kommenden Woche auf dem Nato-Gipfel in Brüssel Gelegenheit zur Erläuterung. Beim Treffen am 22. Februar werde Schröder den Vorschlag nochmals darlegen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin. Mit dem Vorstoß auf der Münchner Sicherheitskonferenz habe Schröder einen Impuls und ein erstes Signal geben wollen. «Der Vorschlag kam zum richtigen Zeitpunkt.» Er stoße auf offene Ohren. (nz)

