Attac protestiert vor Clement-Ministerium
22. Aug 2004 15:38, ergänzt 18:23
 | Attac protestiert gegen Hartz IV | Foto: AP |
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Nur wenige Dutzend Kritiker von Hartz IV haben am Sonntag anlässlich des Besuchstages der Regierung vor dem Wirtschaftsministerium in Berlin protestiert. Insgesamt kamen über 150.000 Bürger zum Tag der offenen Tür.
Mitglieder der globalisierungskritischen Organisation Attac haben den Tag der offenen Tür der Bundesregierung genutzt, um vor dem Bundeswirtschaftsministerium gegen die Arbeitsmarktreform Hartz IV zu demonstrieren. «Wir sind nicht mehr bereit, das alles hinzunehmen. Wir rücken denen jetzt auf die Pelle», sagte Attac-Sprecher Pedram Shahyar am Sonntag in Berlin.
Zur Aktion «Fünf vor Zwölf» versammelten sich allerdings nur wenige Teilnehmer, Beobachter schätzen ihre Zahl auf maximal 50. Ein Attac-Sprecher hatte zuvor mit «mehreren Hundert Teilnehmern» gerechnet. Das Wirtschaftsministerium hatte seine Büros zum Tag der offenen Tür der Bundesregierung geöffnet. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement war jedoch nicht dort.
Zehntausende demonstrieren Politikinteresse
Nicht an Protesten waren dagegen rund 150.000 Bürgerinnen und Bürger interessiert. Bei schönem Spätsommerwetter hatten die Organisatoren des sechsten Tages der offenen Tür seit dem Berlin-Umzug 1999 alle Hände voll zu tun, die Massen beim «Staatsbesuch» zu leiten. Die Besucher nahmen das Angebot der Bundesregierung wahr, ihre Gebäude einmal von innen sehen zu können. Allein am Samstag waren es laut dem Bundespresseamt bereits 70.000 Interessierte.
Schröder verliert gegen Bierhoff
Der größte Andrang herrschte an beiden Tagen vor dem Kanzleramt. Bis zu eine Stunde Wartezeit nahmen die Neugierigen in Kauf. Am Nachmittag wurde der Andrang besonders groß: Zusammen mit dem Team-Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft, Oliver Bierhoff, bahnte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder den Weg durch die Massen. Beide wurden mit viel Beifall empfangen.Beim anschließenden Interview auf der Bühne im eigens geschaffenen Ideen-Park erklärte Schröder: «Wir sind in einer Situation, wo wir um unserer Zukunft willen schwierige Schritte tun müssen». Die derzeitigen Veränderungen dienten dazu, die Zukunft zu sichern. Die wütenden Zwischenrufe eines Mannes im Publikum beschied der SPD-Politiker mit den Worten: «Jetzt seien Sie mal ruhig».
Eurofighter
Auch zum Verteidigungsministerium kamen Menschenmassen. Ein Ministeriumssprecher schätzte die Zahl der Interessenten auf 10.000. Minister Peter Struck ging am Nachmittag mit den Besuchern über das Gelände. Kinder durften neben ihm im Eurofighter Platz nehmen und im Hubschraubersimulator üben.Es war der sechste Tag der offenen Tür der Regierung seit deren Umzug von Bonn nach Berlin.(nz)