22.05.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Er habe Schröder eigentlich kippen, nicht schlagen wollen, sagt der arbeitslose Lehrer, der dem Bundeskanzler eine Ohrfeige verpasst hat. Er sei jetzt aber stolz darauf.
Der Mann, der Bundeskanzler Gerhard Schröder eine Ohrfeige verpasst hat, hält seine Tat für gerechtfertigt. Dem «Spiegel» sagte der arbeitslose Gymnasiallehrer Jens Ammoser: «Meine Tat ist unanständig, basta, aber nicht ungerecht.» Er sei stolz darauf, was er getan habe.
Weil der 52-Jährige Schröder für ungeeignet als Bundeskanzler hält, trat er im Februar in die SPD ein und ohrfeigte den Kanzler auf einer Veranstaltung für neue Parteimitglieder in Mannheim. «Ich wollte in die Partei, um gegen Schröder zu kandidieren, weil ich Schröder für den miesesten, erfolglosesten und ahnungslosesten Kanzler halte, den wir je hatten», sagte er dem Magazin.
«Historische Schuld»Der Lehrer stammt aus Berlin und lebt heute in einem Dorf nahe Freiburg. Er hatte in Berlin Deutsch und Mathematik studiert, fand aber nie eine entsprechende Stelle. Ammoser schlug sich mit Jobs und Umschulungen durch. Seit 1995 ist er arbeitslos und beschäftigt sich viel mit Politik.
Er wirft Schröder vor, Versprechen gebrochen zu haben: «Das ist die große historische Schuld von Gerhard Schröder, dass er mit Versprechungen ins Amt gekommen ist, aber sie nicht gehalten hat. Das ist eine ganz fürchterliche Geschichte, man setzt Hoffnungen in etwas, und sie werden nicht erfüllt.» Wo das ende, sehe man etwa beim Soziallabbau, sagte er. Er habe sein «Projekt SPD» gestartet, um Schröder «zu kippen, nicht um ihm eine zu scheuern».
Schröder erstattete gegen Ammoser Strafanzeige wegen Beleidigung und Körperverletzung. Dem zuständigen Amtsgericht Mannheim liegt bereits ein Antrag der Staatsanwaltschaft auf ein beschleunigtes Verfahren vor.
«Politische steht im Vordergrund»Bei einer Verurteilung droht dem Lehrer eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Gefängnis. Über seine Zukunft sagte Ammoser: «Wenn der Rummel vorbei ist, wird sich meine Situation durch diese Aktion dramatisch verschlechtern. Die rollen jetzt über mich hinweg, und da habe ich keine Chance.» Allerdings stehe «das Politische im Vordergrund, da muss das Einzelschicksal zurückstehen».
Der für den Fall zuständige Richter am Amtsgericht Mannheim, Wolfgang Winkler, sagte, Schröder müsse nicht gegen Ammoser vor Gericht aussagen. Zur «Bild»-Zeitung sagte Winkler: «Der Kanzler muss nicht kommen. Er kann an seinem Dienstort richterlich vernommen werden.» Es gebe genügend andere Augenzeugen. (nz)