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Kritik aus FDP an Filbinger

22. Mai 2004 09:08
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
Im bürgerlichen Lager gibt es Kritik an der Nominierung des CDU-Politikers Filbinger zur Bundesversammlung. Eine FDP-Abgeordnete sagt, sie fühle sich mit ihm in einer Reihe nicht «wohl».

Auch in der FDP regt sich Kritik an der Nominierung des einstigen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (CDU) als Wahlmann für die Bundespräsidentenwahl am Sonntag.

Mehr in der Netzeitung:
Der «Berliner Zeitung» sagte die FDP-Abgeordnete und frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, es sei zwar Angelegenheit jeder Fraktion, wen sie in die Bundesversammlung berufe, aber «ich selbst fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken, mit Herrn Filbinger in einer Reihe zu sitzen».

Durchsichtiges Manöver

Anlass für die Kritik an Filbigers Aufstellung als Mitglied der Bundesversammlung durch die baden-württembergische CDU bei der Bundespräsidentenwahl ist seine Tätigkeit als Marinerichter in der NS-Zeit in der er auch für Todesurteile verantwortlich war. Die Union machte am Freitag klar, dass sie an Filbinger festhalten werde.

Christian Lange, Sprecher der baden-württembergischen SPD-Abgeordneten im Bundestag, warf der CDU in seinem Bundesland Rechtslastigkeit vor. Sie habe Filbinger berufen, um den «rechten Narrensaum» an sich zu binden, sagte Lange der Zeitung.

Der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Günther Oettinger verteidigt hingegen die Nominierung des früheren NS-Marinerichters. Die Proteste gegen Filbinger seien nichts anderes als ein «durchsichtiges Manöver von SPD und Grünen», sagte er der Chemnitzer «Freien Presse». Die Kritik sei ein letzter Versuch, Unruhe in die Reihen von Union und FDP zu bringen. Das werde aber nicht gelingen.

«Untadeliger Wahlmann»

Oettinger lehnte eine Abberufung Filbingers wegen «irgendwelcher Vorfälle aus dem Jahre 1945 und 1978» ab. «Ich halte Filbinger für einen völlig untadligen Wahlmann», bekräftigte der Fraktionschef sein Festhalten. Er bleibe Mitglied der Bundesversammlung. Schließlich sei der ehemalige Ministerpräsident bereits das vierte Mal als Wahlmann aufgestellt worden.

An der Wahl von Johannes Rau zum Bundespräsidenten vor fünf Jahren habe Filbinger ebenfalls teilgenommen, «und es hat keinerlei Protest gegeben». Auch diesmal hätten Sozialdemokraten und Grüne bei seiner Nominierung im Stuttgarter Landtag «keinen Ton» gesagt, so Oettinger. Auch gehe er nicht davon aus, dass der Kandidat von Union und FDP, Horst Köhler, es ablehnt, von Filbinger gewählt zu werden. «Herr Köhler wird das Mandat akzeptieren.» (nz)

 
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