netzeitung.deGemeinde-Vize warnt vor Spaltung des deutschen Judentums

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Julius Schoeps, Vize-Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Julius Schoeps, Vize-Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Streit um die Verteilung staatlicher Mittel könnte nach Ansicht des Vize-Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin, Schoeps, das deutsche Judentum spalten. In der Netzeitung forderte er, die liberalen Juden nicht auszugrenzen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Julius Schoeps, hat vor einer Spaltung des Judentums in Deutschland gewarnt. Mit Blick auf die Weigerung des Zentralrats, die liberalen Juden an der staatlichen Förderung zu beteiligen, sagte Schoeps der Netzeitung: «Ja, in der Tat, wenn nichts passiert, könnte es zu einer Spaltung kommen». Der Zentralrat müsse sich auch «kleineren Gruppierungen, wie den Liberalen» öffnen, forderte er. «Wenn man das Prinzip der Einheitsgemeinde künftig noch vertreten will, so darf man sich nicht abschotten», sagte Schoeps.

Hintergrund des Konflikts ist der Anfang 2003 unterzeichnete Staatsvertrag zwischen Bundesregierung und dem Zentralrat. Demnach sollten alle jüdischen Gruppen an der staatlichen Förderung in Höhe von drei Millionen Euro pro Jahr beteiligt werden. Doch bisher hat lediglich der Zentralrat der Juden das Geld erhalten - und nicht, wie es im Geiste der Vereinbarung gewesen wäre, andere Gruppen wie etwa die «Union progressiver Juden in Deutschland».
Spiegel: «Kein Grund zum Klagen»
Schoeps, der auch Direktor des Moses-Mendelsohn-Instituts an der Universität
Potsdam ist, sprach von einem «klassischen Missverständnis», das zwischen dem Zentralrat und den 13 liberalen Gemeinden in Deutschland «aufgebrochen» sei. Dabei trat er Äußerungen des Präsidenten des Zentralrats, Paul Spiegel, in der «Jüdischen Allgemeinen» entgegen.

Spiegel schrieb in einem Artikel mit der Überschrift «Kein Grund zum Klagen»: Der Zentralrat stehe «in seinem Verantwortungsbereich für ein gleichberechtigtes Nebeneinander aller pluralistischen Richtungen im Judentum». Der «Union» warf Spiegel vor, liberale Juden zu vertreten, orthodoxe und konservative aber auszuschließen. Schoeps sagte dagegen der Netzeitung: «Das stimmt einfach nicht. Ein Orthodoxer käme niemals auf die Idee, Mitglied einer liberalen Gemeinde werden zu wollen». Liberale hätten aber mit der Aufnahme sowohl Orthodoxer als auch Konservativer «kein Problem». Die Liberalen, so Schoeps, «erklären sich offen für alle Strömungen im Judentum».

Schoeps: «Großes Mißverständnis»
Paul Spiegel sieht indes weitere Gegensätze. Laut seinem Artikel für die Wochenzeitung «Jüdische Allgemeine» gibt es auch Unterschiede zwischen der «Union» und dem Zentralrat in der Ausbildung von Rabbinern. Die Ausbildung an der «Hochschule für jüdische Studien», deren Träger der Zentralrat ist, stehe im Gegensatz zu der am liberalen «Abraham Geiger Kolleg» in Potsdam, «allen Richtungen offen».

Schoeps bewertete Spiegels Äußerungen dagegen als «großes Mißverständnis». Der Netzeitung sagte er: «Wenn Paul Spiegel sich einmal die Mühe machen würde, die Universität Potsdam zu besuchen, dann würde er feststellen können, dass dort mehr als 400 Studenten aus aller Welt 'Jüdische Studien' studieren und dass die Studenten, die sich für eine Ausbildung zum Rabbiner entschieden haben, sich nicht sehr unterscheiden von den Studenten, die an der 'Hochschule für Jüdische Studien' in Heidelberg studieren».

Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schoeps räumte indes ein, dass die liberalen Juden in Deutschland in der «Einheitsgemeinde nur sehr bedingt einen Platz» hätten, «weil sich die Einheitsgemeinde zunehmend mehr als eine traditionelle Gemeinde versteht». Dies bedeute, dass die Liberalen zunehmend am Rand stünden. Die gegenwärtigen Proteste müssten dennoch «ernst genommen» werden. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Liberalen derzeit versuchten, den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu erlangen. Käme es dazu, dann hätte «nicht nur der Zentralrat sondern auch die Politik ein Problem». Dann sei nicht mehr der Zentralrat der alleinige Ansprechpartner, so Schoeps. «Das ist eine Entwicklung, die ich für problematisch halte.»

Schoeps unterstützt stattdessen den Vorschlag des Grünen-Politikers Volker Beck. Der hatte in der Netzeitung dafür geworben, die liberalen Juden ganz unbürokratisch an den staatlichen Mitteln zu beteiligen, indem der Zentralrat liberale Gemeinden auch ohne Körperschaftsstatus aufnimmt. «Das kann man ohne weiteres machen», sagte Schoeps. Das sei «überhaupt kein Problem».

Pflege des deutsch-jüdischen Erbes
Der Konflikt, so Schoeps weiter, könne «ohne weiteres behoben werden, wenn man sich dazu durchringen würde, sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu reden.» Er appellierte an den Zentralrat, in dem Streit einzulenken und seine «ideologisch-religiösen Positionen» aufzugeben. Man dürfe sich nicht abschotten, «wenn man das Prinzip der Einheitsgemeinde künftig noch vertreten will».

Nach Schoeps' Darstellung hat der Zentralrat den Staatsvertrag, den er mit der Bundesregierung abgeschlossen hat, «falsch verstanden». In dem Vertrag sei unter anderem von der Pflege des deutsch-jüdischen Erbes die Rede. Die Liberalen, betonte er, stünden «stärker in der Tradition des deutsch-jüdischen Erbes als der Zentralrat». Die staatlichen Mittel, die der Vertrag vorsieht, sollten demnach «allen Gruppierungen zustehen».

Ende des Monats, am 21. und am 27. April, wird der Konflikt auch Thema von Gesprächen zwischen Vertretern der Bundesregierung und des Zentralrats sein. «Ich habe die Hoffnung, dass alle vernünftig genug sind, eine einvernehmliche Lösung zu finden», sagte Schoeps.


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