Schröder: Einheit muss erkämpft werden
Am Jahrestag der deutschen Einheit sollte jeder stattdessen darauf zurückblicken, was in den vergangenen Jahren trotz aller Schwierigkeiten geschafft worden sei, sagte der SPD-Vorsitzende beim Festakt zum 13. Jahrestag der Wiedervereinigung am Freitag in Magdeburg. Die vielfach sichtbaren positiven Entwicklungen seien vor allem der «Tatkraft und der Courage» der Ostdeutschen zu verdanken.
Schröder wies auch auf die europäische Dimension der Wiedervereinigung hin. Ohne das Zerschneiden des Stacheldrahts an der ungarischen Grenze, die Solidarnosc-Bewegung in Polen oder die «samtene Revolution» in Prag, wäre Deutschlands Einheit nicht möglich gewesen. Auf die Nachbarländer sollten die Deutschen «mit Bescheidenheit» schauen, ergänzte der Kanzler. Diese hätten keinen starken Partner gehabt, dessen Steuer- und Sozialaufkommen sie sofort in Anspruch nehmen konnten. Gerade deshalb habe sich Deutschland auch immer als Anwalt des EU-Beitritts dieser Länder verstanden.
«Wir haben dort, wo es erforderlich ist, militärische Verantwortung übernommen», sagte Schröder. 9.000 deutsche Soldaten seien auf dem Balkan, im Kampf gegen den internationalen Terrorismus oder in Afghanistan im Einsatz. Aber die deutsche Gesellschaft tue das ohne jeden «Hurra-Patriotismus». Schröder: «Auf beides bin ich stolz.». Dort, wo Deutschland überzeugt gewesen sei, dass die angenommene Bedrohung die Gefahren und Konsequenzen eines Krieges nicht rechtfertigten, habe das Land die richtige Entscheidung gefällt: «Dort haben wir den Mut gehabt, Nein zu sagen», sagte Schröder in Anspielung auf die kritische Haltung Deutschlands zum Irak-Krieg.
Schröder hob die Verantwortung Deutschlands als stärkste Wirtschaftsmacht für Wachstum und Fortschritt in Europa hervor und erklärte damit die «internationale Dimension unserer Reform-Agenda». Vom Erfolg der Reformen hänge «mehr ab als unser eigenes Wohlergehen»: «Gemeinsam müssen wir einen Pfad finden, der wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, gesellschaftliche Zusammenarbeit und soziale Gerechtigkeit miteinander in guten Einklang bringt», sagte Schröder bei der Einheitsfeier in Magdeburg. (nz)

