06. Jun 2003 18:03
Der Kieler FDP-Fraktionschef Kubicki kann sich einen Selbstmord Möllemanns nicht vorstellen. Der Möllemann-Vertraute Varnhagen wirft der FDP-Führung eine Hetzjagd vor.
Der FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, glaubt nicht an einen Selbstmord seines Freundes Jürgen W. Möllemann. Zweieinhalb Stunden vor dem Tod habe er noch mit Möllemann telefoniert. Die Hausdurchsuchungen seien planmäßig verlaufen. «Da war nichts Überraschendes», so Kubicki. «Insofern ist es für mich gar nicht vorstellbar, dass Jürgen sich umgebracht haben soll. Er hatte nichts zu befürchten, und er schien mir aufgeräumt, ruhig und gelassen».Kubicki und Möllemann hatten gemeinsam das «Projekt 18» entwickelt. In einem Lokal in Strande an der Kieler Förde skizzierten sie das Projekt auf Bierdeckeln. Auch privat waren sie sich verbunden. Möllemann feierte 1997 bei Kubickis Hochzeit mit. Außerdem sprangen sie auch mehrfach gemeinsam als Tandem-Springer aus dem Flugzeug.
Auch der frühere Außenminister, Hans-Dietrich Genscher, der als politischer Ziehvater Möllemanns gilt, sagte in der n-tv-Sendung Maischberger, er könne sich nicht vorstellen, dass Möllemann Selbstmord begangen habe. Er glaube, dass Möllemann zuviel Rücksicht auf seine Familie genommen hätte, um so etwas zu tun.
Der stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende Hans Varnhagen, ein langjähriger Vertrauter Möllemanns, erhob am Freitag schwere Vorwürfe gegen die Berliner FDP-Führung. «Die Parteispitze hat eine Hetzjagd gegen Möllemann veranstaltet», sagte Varnhagen der Tageszeitung «Die Welt». Nach Aussage Varnhagens soll Möllemanns Witwe Carola Möllemann-Appelhof die FDP-Führung am Unfallort in einer ersten Reaktion mitverantwortlich gemacht haben: «Sie haben es geschafft, sie haben ihn fertig gemacht», sagte sie laut Varnhagen. (nz)