OECD kritisiert geringe Zahl von Studienanfängern in Deutschland
29.10.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Die OECD hat ihren jährlichen Bildungsbericht vorgelegt. Darin wird Deutschland ein erheblicher Nachholbedarf bei der Reform des Bildungswesens attestiert.
Das deutsche Bildungssystem schneidet im internationalen Vergleich in mehreren Bereichen schlecht ab. Das ist das Ergebnis des jährlichen Bildungsberichts, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Dienstag in Paris vorgestellt hat. Die 400 Seiten dicke Studie trägt den Titel «Bildung auf einen Blick».
Man sehe einen «erheblichen Nachholbedarf» bei der Reform des Bildungswesens, sagte Andreas Schleicher von der OECD in Berlin bei der Vorstellung der deutschen Ausgabe. In der Studie wird unter anderem kritisiert, dass in Grundschulen und weiterführende Schulen zu wenig Geld investiert werde. Die Unterrichtszeit an Grundschulen sei zu gering, hieß es weiter. Außerdem würden die Schüler von ihren Lehrern zu wenig unterstützt.
Gut schneidet Deutschland dagegen bei den Investitionen in den Sekundarbereich II aus. Dies liege jedoch daran, dass die Betriebe viel Geld in das duale System der beruflichen Ausbildung steckten.
Nur 30 Prozent studierenNur 30 Prozent eines Jahrgangs fangen in Deutschland ein Studium an. Damit liege Deutschland im internationalen Vergleich am unteren Rand, hieß es weiter. In Finnland studieren 70 Prozent eines Jahrgangs, der OECD-Durchschnitt liegt bei 45 Prozent.
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, man werde sich bemühen die Quote zu erhöhen. Dies könne zum Beispiel durch den Ausbau von Bachelor-Studiengängen geschehen. Außerdem werde man versuchen, die Zahl der Studienabbrecher durch verbesserte Betreuungsangebote zu reduzieren.
Bildungspolitischer StillstandDie Vizepräsidentin der Kultusministerkonferenz und die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) kritisierte, dass die OECD sich auf Zahlen aus den Jahren 1999 und 2000 und nicht auf neues Material stütze. Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eva-Maria Stange, nannte den OECD-Bericht ein «Attest für einen 30-jährigen bildungspolitischen Stillstand». Sie kritisierte insbesondere, dass die Klassen zu groß seien und zu wenige Schüler Förderunterricht erhielten. (nz)