Kundus-Affäre nimmt neue Dimension an:
Oberst Klein wollte Taliban «vernichten»
12.12.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die «Süddeutsche Zeitung» zitiert aus einem geheimen Untersuchungsbericht der Nato, in dem der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan, der US-General Stanley McChrystal, behaupte, Klein sei es ausschließlich um die Taliban-Führer gegangen. «Er wollte die Menschen angreifen, nicht die Fahrzeuge», zitiert das Blatt eine zentrale Stelle des geheimen Berichts. Angeblich bezieht sich der Bericht auf eine Befragung Kleins durch den Isaf-Kommandeur.
Demnach wurden das Kanzleramt, die Spitze des Verteidigungsministeriums sowie mit der Koordination der Geheimdienste beauftragte Regierungsvertreter vor und nach dem Luftschlag bei Kundus am 4. September in eine damals vereinbarte neue Eskalationsstufe in Afghanistan einbezogen. Dabei sei es auch um die gezielte Liquidierung der Taliban-Führungsstruktur gegangen, schreibt die «LVZ».
Nach Informationen der «Frankfurter Rundschau» ging Klein aber fest davon aus, dass sich zum Zeitpunkt des Bombenabwurfs keine Zivilisten an den Lkw aufhielten. Laut dem Isaf-Bericht seien nach Angaben der «Süddeutschen» vor dem Bombardement am 4. September 60 bis 80 Taliban und ihre Anführer zu den Tanklastzügen geeilt. Die Anführer hätten ihre Leute sogar vor einem möglichen Bombardement gewarnt, aber niemand habe dem Beachtung geschenkt. Bei dem Luftschlag wurden bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt, darunter zahlreiche Zivilisten.
Der Grünen-Politiker Omid Nouripour, der Guttenberg begleitet hatte, sagte: «Ich kann Ihnen versichern, dass wir die Bundeskanzlerin, den damaligen Kanzleramtsminister und die damaligen Staatsminister vorladen werden und befragen werden. Wenn das so sein sollte, dass alles, was man uns erzählt hat, gelogen war, dann wird das natürlich Konsequenzen haben müssen.» Der Untersuchungsausschuss des Bundestages, der die Kundus-Affäre durchleuchten soll, konstituiert sich am kommenden Mittwoch. (nz/dpa/AP)

