Minarett-Verbot:
Erschütterung nach Schweizer Referendum
30.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Als «absolut rassistisch» verurteilte Göring-Eckardt das Plakat, mit dem die Initiatoren der Volksabstimmung geworben hatten. Es zeigt eine Schweizer Fahne, auf der schwarze Minarette stehen, sowie eine verschleierte Frau. «Hier wird Angst vor etwas geschürt, was mit dem Islam wirklich überhaupt nichts zu tun hat», sagte Göring-Eckardt.
Eine überraschend klare Mehrheit von 57,5 Prozent der Schweizer hatte sich gegen den Neubau von Minaretten ausgesprochen. Dieses Abstimmungsergebnis war selbst von der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), die das Referendum mit initiiert hatte, nicht erwartet worden.
Auch der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy bezeichnete die Entscheidung der Schweizer als sehr problematisch. Wer Religionsfreiheit garantiere, müsse den Anhängern verschiedener Religionen auch die Möglichkeit geben, Gotteshäuser zu bauen. Eine Entscheidung wie in der Schweiz wäre mit dem deutschen Grundgesetz nicht vereinbar, sagte Edathy der «Berliner Zeitung». Er glaube nicht, dass das Ergebnis negativen Einfluss auf die Integrationsdebatte in Deutschland haben werde.
Der ägyptische Großmufti Ali Gomaa kritisierte das Bauverbot für Minarette in der Schweiz als «Beleidigung» für alle Muslime. Wie die ägyptische Nachrichtenagentur MENA am Montag berichtete, nannte Gomaa das in einer Volksabstimmung durchgesetzte Verbot einen Angriff auf die Religionsfreiheit. Der Großmufti, einer der höchsten islamischen Würdenträger, rief die Muslime in der Schweiz dazu auf, mit legalen Mitteln gegen das Verbot zu demonstrieren und sich im gesellschaftlichen Dialog zu engagieren. (dpa/nz)

