CDU-Politikerin übernimmt Vorstoß des Ethikrats: 

netzeitung.deFischbach fordert Gesetz statt Babyklappen

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Anonym zur Adoption durch die Babyklappe (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Anonym zur Adoption durch die Babyklappe
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit dem Vorstoß des Deutschen Ethikrates ist die Diskussion um Babyklappen und anoyme Geburten erneut entflammt. Die CDU-Politikerin Ingrid Fischbach will die Debatte nun mit einem «Gesetz zur vertraulichen Geburt» beenden.

Nach dem Votum des Deutschen Ethikratesfür die Schließung von Babyklappen hat die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Ingrid Fischbach (CDU), ein entsprechendes Gesetz angekündigt. Fischbach sagte der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post»: «Wir wollen ein Gesetz zur vertraulichen Geburt schaffen und die Beratungsangebote für schwangere Frauen in Not ausbauen.» Vertrauliche Geburt bedeutet, dass die Mutter für einen begrenzten Zeitraum anonym bleiben darf.

Fischbach folgt damit einer Empfehlung des Deutschen Ethikrats. Das 26-köpfige Gremium hatte am Donnerstag vorgeschlagen, künftig per Gesetz eine vertrauliche Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung zu ermöglichen. Spätestens nach einem Jahr müssten die Kinder jedoch zumindest unter dem Namen der Mutter gemeldet werden, damit ihre Rechte und die der Väter «möglichst wenig beeinträchtigt werden».

Der Ethikrat regte außerdem an, das Informationsangebot für Schwangere und Mütter in Notlagen über die bestehende legale Hilfsangebote zu verbessern. Geeignete Maßnahmen hierfür seien die Einrichtung einer kostenfreien 24-Stunden-Hotline für betroffene Frauen und die Vermittlung in spezielle Mutter-Kind-Heime.

«Ethisch und rechtlich sehr problematisch»
Ziel des Gremiums ist die Schließung von Babyklappen. «Die bestehenden Angebote anonymer Kindesabgabe sind ethisch und rechtlich sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen», hieß es in der Stellungnahme vom Donnerstag. Außerdem könnten die Klappen nicht verhindern, dass Säuglinge ausgesetzt oder getötet werden. Ein Rückgang der Kindstötungen sei weder in Deutschland noch in Frankreich erwiesen. Darüber hinaus solle das systematische Angebot anonymer Geburten aufgegeben werden, außer, es handele sich um medizinische Notfälle.

Gegenwind kam aus den Kirchen. Die Kirchenvertreter in dem Gremium trugen die Empfehlung nicht mit. Das

Zentralkomitee der deutschen Katholiken(ZdK) sprach sich für die Beibehaltung der Angebote zur betreuten anonymen Geburt aus, die es seit 1999 gibt. «Sie helfen, das Leben von Kindern zu retten, bieten Frauen einen sicheren Rahmen und einen geschützten Raum für die Entbindung und tragen in vielen Fällen dazu bei, dass die Mütter sich nach der Geburt für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden», hieß in einer Erklärung von ZdK-Präsident Alois Glück. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in DeutschlandEvangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Margot Käßmann, kritisierte, der Ethikrat gehe von fragwürdigen und ungesicherten Annahmen aus.
Rund 80 Babyklappen bundesweit
Babyklappen sind geschützte Wärmebettchen, in die Frauen anonym ihr Neugeborenes legen und zur Adoption freigeben können. Nach Einschätzung der stellvertretenden Vorsitzenden des Ethikrats, Christiane Woopen, gibt es bundesweit rund 80 Babyklappen, die meisten davon in kirchlicher Trägerschaft. Dazu kommen 130 Krankenhaäuser, die anonyme Geburtenbetreuung anbieten. Mehr als 500 Neugeborene seien durch diese Möglichkeiten zu Findelkindern geworden. Nach ihrer Auffassung ist diese Praxis aber rechtswidrig. Ein Rückgang der Kindstötungen durch derartige Angebote sei zudem weder in Deutschland noch in Frankreich erwiesen.

Dem 26-köpfigen Ethikrat gehören größtenteils Wissenschaftler und Juristen an. Sie verfolgen im Auftrag von Bundestag oder Bundesregierung gesellschaftliche, rechtliche und naturwissenschaftliche Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft. (epd/AP/dpa/nz)