Rekordzahlen bei Erstsemestern : 

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Rekordzahlen bei Erstsemestern  

Lupe Trotz Protesten immer mehr Studenten

Die geburtenstarken Abiturjahrgänge und die ersten Auswirkungen der Schulzeitverkürzung machen sich nun an den Unis mit einem Erstsemesterrekord bemerkbar. Die Proteste gehen unterdessen weiter.

Noch nie haben in Deutschland so viele junge Menschen ein Studium begonnen wie in diesem Jahr: Insgesamt schrieben sich 423.400 Frauen und Männer erstmals für ein Studium an einer Hochschule ein. Das sind knapp sieben Prozent mehr als 2008, meldete das Statistische Bundesamt am Mittwoch.

Die Zahl aller Studenten stieg damit auf rund 2,13 Millionen, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Unter den Studienanfängern sind knapp 50 Prozent Frauen. An mehreren Hochschulorten - unter anderem in Hessen, Bayern und Niedersachsen - setzten die Studenten unterdessen ihre Proteste fort.

In Berlin sprengten rund 50 Studierende die Pressekonferenz der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Ihre Präsidentin Margret Wintermantel warnte vor einer Eskalation. «Wir sind besorgt über die in so hohem Maße geäußerte Unzufriedenheit über die Studiensituation.» Zugleich mahnte sie zur Besonnenheit. «Dort, wo der Boden der Rationalität verlassen wird, ist ein sachlicher Dialog nicht mehr möglich.»

Ein junger Mann, der unmittelbar vor Wintermantel auf den Tisch gesprungen war, wurde von mehreren Studentinnen hinausgedrängt. «Man wird uns nicht ernst nehmen, wenn wir uns so benehmen», sagte eine Studentin. Die Studenten kündigten die Fortsetzung ihrer Proteste gegen die Verschulung des Bachelor-Studiums und gegen Studiengebühren an. Am 10. Dezember wollen sie die Kultusministerkonferenz in Bonn «blockieren».

Geburtenstarken Abiturjahrgänge
Der neue Studienanfängerrekord gilt vor allem eine Folge der extrem geburtenstarken Abiturjahrgänge, die in den vergangenen Jahren die Schule verlassen haben. Hinzu kommen in einigen Bundesländern Auswirkungen der doppelten Abiturientenjahrgänge nach der Schulzeitverkürzung im Gymnasium. Erstmals wurden auch rund 10.000 Anfänger an den aufgewerteten baden-württembergischen Berufsakademien mit in der Hochschulstatistik ausgewiesen.

Ungeachtet des Anfängeranstiegs verzichtet ein erheblicher Anteil junger Menschen aus den starken Abiturientenjahrgängen auf das Studium. Im Vergleich mit dem Anfänger-Rekordjahr 2003 verließen in diesem Jahr zwar rund 22 Prozent mehr junge Menschen mit Abitur ihre Schule. Es schrieben sich aber nur rund 12 Prozent mehr Studienanfänger ein.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach von einer insgesamt «sehr erfreulichen Entwicklung». Die Zielmarke des Bildungsgipfels von Bund und Ländern 2008 - eine Studienanfängerquote von mindestens 40 Prozent - sei damit bereits deutlich überschritten. Dazu habe auch die 2008 erfolgte Erhöhung des Bafög sowie mehr Stipendien der Begabtenförderungswerke beigetragen. «Damit sind wir im Blick auf den zukünftigen Fachkräftebedarf einen guten Schritt vorangekommen.»

«Selbstlob» nicht angebracht
Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), sagte, der Anstieg der Anfängerzahl sei erfreulich. «Der Jubel der Bundesbildungsministerin kommt aber verfrüht.» Denn seit Jahren sinke die Studierneigung bei jungen Menschen, wenn man das Verhältnis von Abiturientenzahl und den tatsächlichen Neueinschreibungen betrachte. Eine entsprechende Analyse über Sorgen und Motive des Abiturientenjahrganges 2008 halte das Ministerium seit Monaten zurück. Burchardt forderte Schavan auf, «diese Untersuchung sofort vorzulegen».

Auch der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, warnte Schavan vor «Selbstlob». Schuld an der geringen Studienneigung seien «der eklatante Studienplatzmangel und steigende Zugangshürden wie Studiengebühren, flächendeckender Numerus clausus und eine völlig unzureichende Studienfinanzierung».

Größtes Plus im Saarland
An den Universitäten gab es 2009 fünf Prozent mehr Neu-Studenten, an den Fachhochschulen sogar neun Prozent. Das größte Plus bei den Studienanfängern meldet das Saarland mit 15 Prozent, vor allem wegen des doppelten Abiturienten-Jahrgangs. Größere Zuwächse verzeichnen auch Bayern und Berlin (je neun Prozent plus). Deutlich niedriger fiel der Zuwachs in Bremen (plus drei Prozent) sowie Sachsen und Brandenburg (je plus zwei Prozent) aus. In Sachsen-Anhalt gibt es einen Rückgang um ein Prozent

Wachsender Beliebtheit erfreuen sich die technisch orientierten Fächer: So stieg die Zahl der Studienanfänger im Bauingenieurwesen um 15 Prozent, in Maschinenbau/Verfahrenstechnik um sechs Prozent, in Informatik um vier Prozent und um drei Prozent in der Elektrotechnik.