Sechs Wochen Zeit fürs zweite Kind : 

netzeitung.deGrünen-Chef Özdemir nimmt Elternzeit

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Özdemir steigt vorübergehend aus (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Özdemir steigt vorübergehend aus
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Für sein zweites Kind will Cem Özdemir vorübergehend aus dem Politbetrieb aussteigen. Mit seiner Strategie ist er in guter Gesellschaft. Rund 46 Prozent der Väter, die in Elternzeit gehen, machen es wie er - kurz und knackig.

Grünen-Chef Cem Özdemir will nach der Geburt seines zweiten Kindes für sechs Wochen Elternzeit aus dem Politbetrieb aussteigen. Das kündigte der 43-Jährige bei N24 an. Schon in etwa einer Woche stehe die Geburt an, vermutlich bekomme seine Tochter ein Brüderchen.

«Wir haben da was gesehen, ein Bildle, was da baumelte, das sah ziemlich nach Junge aus», sagte Özdemir am Montagabend in der Sendung «Was erlauben Strunz». Nach der Geburt wolle er seinen Parteiposten vorübergehend weitgehend ruhen lassen.

«Ich will das ernsthaft machen», versicherte Özdemir. Der Vorteil einer Doppelspitze sei, dass auch in einem solchen Fall nicht gleich die Bundesgeschäftsstelle verriegelt werden müsse. «Ich werde einfach sechs Wochen lang mein Programm runter fahren und mich vornehmlich um die Erziehung meines Sohnes kümmern und meiner Frau helfen», sagte Özdemir. Er ist mit der Journalistin Pia Castro verheiratet.

Kurze Auszeit
Özdemir befindet sich mit seiner kurzen Auszeit in guter Gesellschaft. Die Mehrheit der Väter in Elternzeit steigt nur für wenige Monate aus dem Job aus. Insgesamt nutzten Mitte 2008 mehr als 18 Prozent der Väter das Elterngeld. 46 Prozent von ihnen unterbrachen die Berufstätigkeit für ein bis zwei Monate, ergab eine Untersuchung des Berliner Institutes für Sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra). Diese «Vorsichtigen» blieben vor allem auf Wunsch der Partnerin gemeinsam mit ihr zu Hause. Um ihre Karriere nicht zu gefährden, hielten sie die Auszeit möglichst kurz.

Die «(Semi)-Paritätischen» nahmen den Wissenschaftlern zufolge zwischen drei und acht Monate Elternzeit - meist versetzt zur ebenfalls berufstätigen Partnerin. Dieser Gruppe gehörten 14 Prozent der befragten Väter an. Die «umgekehrten Nutzer» - sechs Prozent der Männer - bezogen länger Elterngeld als ihre Partnerin. Ihnen ist die Familie sehr wichtig, die Karriere dagegen nicht. Durch ihre Auszeit wollten sie auch das berufliche Fortkommen der Partnerin unterstützen.

Zu den «Familienorientierten» zählten die Wissenschaftler weitere neun Prozent. Sie nahmen zwischen einem und neun Monaten Elternzeit, kombinierten diese aber mit einer unbezahlten Auszeit. Ihr Wunsch ist, die Kinder möglichst lange von einem Elternteil betreuen zu lassen. 5 Prozent der Väter bilden den Wissenschaftlern zufolge die «Familienzentrierten»: Sie nutzten zwischen neun und zwölf Elternmonate und kombinierten diese noch mit unbezahlter Elternzeit. Diese Väter betonten, dass ihre Entscheidung nicht auf den Wunsch der Partnerin zurückging. Für die von der Hans Böckler Stiftung geförderte Studie wurden 624 erwerbstätige Väter in Elternzeit online befragt. (AP, dpa, nz)