Flick zahlt nicht für Zwangsarbeiter
25.06.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Trotz aller Appelle: Für die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter will Multimillionär Friedrich Christian Flick nicht zahlen, sondern verspricht lieber eine Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit. Thema: Entschädigung für die Opfer Antragsflut bei Zwangsarbeiterstiftung Zwangsarbeiter-Anwälte sollen auf Honorar verzichten
BERLIN. Der Industrie-Erbe Friedrich Christian Flick hat Forderungen nach einem persönlichen Beitrag für die Stiftungsinitiative zur Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter abgelehnt.
Stattdessen kündigte er an, Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit zu gründen. Sie soll mit zehn Millionen Mark dotiert sein.
Die ehemaligen Flick-Unternehmen hätten sich bereits überdurchschnittlich an der Initiative der deutschen Wirtschaft beteiligt: «Eine Zahlung meinerseits würde mit von Unternehmen geleisteten Bürgschaften verrechnet und käme nicht zusätzlich ehemaligen Zwangsarbeitern zugute», teilte Flick mit.
Grass, Lenz, Härtling ungehörtZahlreiche Kulturschaffende hatten Flick vergangene Woche aufgefordert, der Initiative beizutreten. Das Vermögen Flicks und anderer Erben sei «zu einem relevanten Teil auf Firmen zurückzuführen, die in dem menschenverachtenden Einsatz Hunderttausender Frauen, Männer und Kinder als Zwangsarbeiter eingebunden waren». Den Appell unterzeichneten unter anderem der Literaturnobelpreisträger Günter Grass, die Schriftsteller Siegfried Lenz und Peter Härtling sowie der Präsident der Berliner Akademie der Künste und Karlspreisträger György Konrad.
Geld für JugendlicheEr habe sich entschlossen, seine persönliche Verantwortung wahrzunehmen und eine Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz ins Leben zu rufen, teilte Flick mit. Die Stiftung werde sich vor allem an Jugendliche wenden und ihren Sitz in einem nicht benannten ostdeutschen Bundesland haben. Er werde damit im Herbst an die Öffentlichkeit gehen. (dpa)