Störfall einer «Kernschmelze mit verheerenden Folgen»:
Umwelthilfe hält acht Atommeiler für gefährlich
05.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Auch der Meiler Brokdorf muss nach Einschätzung der Umwelthilfe sofort vom Netz genommen werden.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während FDP und Union über längere Atomlaufzeiten verhandeln, fordern Umweltschützer die sofortige Abschaltung von acht Atomkraftwerken. Bei den Reaktoren könnte ein Leck im Kühlkreislauf zu einer Katastrophe führen.
Umweltschützer warnen vor gravierenden Sicherheitsrisiken bei Atommeilern in Deutschland. Die
Deutsche Umwelthilfe(DUH) fordert deshalb die sofortige Stilllegung von acht Atomkraftwerken. Bei den betroffenen Reaktoren halte es auch das Bundesumweltministerium derzeit für nicht gesichert, dass ein Störfall beherrschbar sei, teilte die Organisation am Montag in Berlin mit.
Bei acht Druckwasser-Reaktoren ist den Angaben zufolge grundsätzlich eine Verstopfung der Notkühlpumpen möglich. Die Kühlung des Reaktorkerns sei bedroht, wenn im Kühlkreislauf abgetrenntes faserförmiges Isoliermaterial die Notkühlpumpen verstopfe oder direkt die nötige Kühlung des Reaktorkerns be- oder gar verhindere. «Damit besteht bei einem solchen Störfall das Risiko einer Kernschmelze mit verheerenden Folgen», warnt der Umweltschutzverband.
Mangelnde StörfallbeherrschungLaut DUH handelt es sich bei den betroffenen acht von 17 Reaktoren um Brokdorf in Schleswig-Holstein, Grohnde und Emsland in Niedersachsen, Isar I und Grafenrheinfeld in Bayern sowie Neckarwestheim I und II und Philippsburg 2 in Baden-Württemberg. Für das hessische Kraftwerk Biblis B habe der Energieversorger RWE eine Nachrüstung zugesagt. Bereits im März hatte das Bundesumweltministerium die betroffenen Länder zu einem Nachweis aufgefordert, wie die Störfallbeherrschung bei einem Kühlmittelverlust gewährleistet werden solle. Mitte September bemängelte das Ministerium «fortbestehende Nachweisdefizite».
«Während in den heute beginnenden Koalitionsgesprächen über Laufzeitverlängerungen für angeblich sichere Atomkraftwerke verhandelt wird, zeigt sich, dass bei acht Reaktoren der Nachweis einer Störfallbeherrschung fehlt», kritisierte der Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, Rainer Baake. «Wir fordern die sofortige Stilllegung aller Reaktoren, bei denen ein Leck in einer Kühlmittelleitung zur Katastrophe führen kann.»
Mit Union und FDP haben künftig zwei Parteien, die der Atomenergie freundlich gesinnt sind, das Sagen in Berlin. Sie wollen den Ausstieg aus dem Atomkonsens, der vor neun Jahren von der damaligen rot-grünen Regierung gesetzlich verankert wurde. Allerdings stellt die künftige Regierung Bedingungen. So sollen die AKW-Betreiber einen Teil ihrer zusätzlichen Milliarden-Einnahmen durch längere Laufzeiten in erneuerbare Energien investieren. (dpa/nz)