Krieg in Afghanistan: 

netzeitung.deAltkanzler Schmidt wirft Westen Versagen vor

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Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ist besorgt über die Entwicklung in Afghanistan. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ist besorgt über die Entwicklung in Afghanistan.
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Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat das internationale Vorgehen am Hindukusch kritisiert. Besonders missfällt ihm allerdings, dass der Einsatz der Bundeswehr im Bundestag nicht ernsthaft diskutiert wird.

Der Krieg in Afghanistan löst nicht nur jenseits des Atlantiks, wo derzeit ein Kurswechsel geprüft wird, heftige Debatten aus. Auch in Deutschland ist der Einsatz der Bundeswehr höchst umstritten. Nun äußerte sich auch Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) besorgt über die Entwicklung in Afghanistan: «Mit den bisherigen Operationen, die nun schon seit fast einem Jahrzehnt laufen, ist das immer unschärfer gewordene Ziel offenbar nicht erreichbar,» sagte Schmidt in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview mit dem «Zeit-Magazin».

Das Ziel, dem islamistischen Terrornetzwerk Al Qaida die Grundlage zu entziehen, habe der Westen nicht erreicht. Zwar sei in Afghanistan nichts mehr von Al Qaeda zu sehen, dafür aber im Westen Pakistans. «Man hätte vorher wissen können, dass man dieses Ziel mit den Mitteln, die man zur Verfügung hatte, nicht erreichen kann», sagte Schmidt. Um in Afghanistan Stabilität herzustellen, «reichen selbst 200.000 Soldaten offenbar nicht aus».
Großer Respekt vor den Soldaten
Zur deutschen Beteiligung in Afghanistan sagte Schmidt: Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan habe er von Anfang an mit Skepsis begleitet. «Ich habe jedoch größten Respekt vor den jungen Männern und Frauen, die dort ihr Leben riskieren. Ich möchte nicht dazu beitragen, dass ihre Bereitschaft, das zu tun, was ihre Regierung angeordnet hat, beeinträchtigt wird», sagte er. Kritik übte der ehemalige Bundeskanzler allerdings an der fehlenden Diskussion im Bundestag: Der Einsatz hätte im Parlament längst tiefgreifend diskutiert werden müssen.

Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2002 am internationalen Einsatz zur Absicherung des Wiederaufbaus in Afghanistan (Isaf). Derzeit sind etwa 4200 Soldaten vor Ort, vorwiegend im Norden des Landes. Immer häufiger werden deutsche Soldaten in Kampfhandlungen verwickelt. Zuletzt hatte ein von der Bundeswehr angeforderter Luftangriff auf zwei Tanklaster, bei dem zahlreiche Zivilisten starben, für scharfe internationale Kritik gesorgt. (nz/dpa)