SPD-nahes Youtube-Video gibt Rätsel auf: 

netzeitung.de«Wir holen die Kanzlerschaft!»

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Wer hat das 'Kanzlerschaft'-Video veröffentlicht? (Foto: NZ-Screenshot<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wer hat das 'Kanzlerschaft'-Video veröffentlicht?
Foto: NZ-Screenshot
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ist es virales Marketing? Oder steckt ein begabter SPD-Sympathisant dahinter? Über ein anonym veröffentlichtes Internet-Video wird viel spekuliert. Klar ist nur, dass es den bis jetzt drögen Wahlkampf ein wenig belebt. Mit Video

«Hey, was geht ab, wir holen die Kanzlerschaft», wird in einem Internet-Video gesungen, man sieht SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, wie er bedeutungsvoll redet, hübsch im Takt geschnitten. Das Lied hat eine eingängige Melodie und einen Text, der mit lockeren Sprüchen über die politische Konkurrenz der SPD herzieht. Nun wird in Blogs, auf Twitter, bei Journalisten und in Werbeagenturen gemunkelt, wer dahinter stehen könnte.

Der anonyme Sänger des Youtube-Videos «Kanzlerschaft – das geht ab» wirft zum Beispiel Kanzlerin Merkel vor, sie mache «Tittenwahlkampf», zudem stehe sie «in der Ecke und keiner will mit ihr reden». Auch den Shootingstar der Union, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, greift das Video an: Er bezahle «einen Welthit von unserem Budget».

Wer steht hinter diesem Video? Es macht eindeutig Werbung für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten. Doch die Partei bestreitet, mit dem Internet-Video etwas zu tun zu haben.

Steckt SPD-Agentur dahinter?
Im Blog «Ruhrbarone» wird gemutmaßt, dass die Werbeagentur Butter den Spot veröffentlicht hat. Die Firma macht die aktuelle Bundestagswahl-Kampagne für die SPD. Als Indiz wird gewertet, dass Mathias Richel von der Agentur Butter sehr früh über das Video getwittert hat.

Doch auf Nachfrage der Netzeitung beteuert Richel, dass weder er noch seine Agentur etwas mit dem Video zu tun haben. Er finde es zwar sehr gut, «wir feiern das ab», aber er wisse nicht, wer das Video gemacht habe. Dass er so früh getwittert habe, liege daran, dass er so gut vernetzt sei im Politikbetrieb.

Es wird wahrgenommen
Auch ein genaueres Hinschauen auf der Youtube-Seite führt bei der Suche nach dem Urheber nicht weit. Eine Nutzerin namens «susisonnenberg» hat das Video eingestellt, es ist bisher das einzige in ihrem Kanal. Das Lied ist als Video-Antwort des Songs «Das geht ab» von MC Chucky verlinkt. Und tatsächlich ist das Lied «Kanzlerschaft» eine Cover-Version des Party-Songs «Das geht ab» der Berliner Rapper «Atzenmusik». In diesem Jahr gelangte das Lied zu größerer Bekanntheit, nachdem es die Fans des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC zu ihrem Schlachtruf im Kampf um die Meisterschaft gemacht hatten.

Wer auch immer das Filmchen produziert hat – die SPD, eine Werbeagentur oder einfach ein begabter SPD-Sympathisant – es wird wahrgenommen, kommentiert, weitergemailt, als wäre es geplantes virales Marketing. Bereits 22 Stunden nach Veröffentlichung wurde es auf Youtube mehr als 2700-mal geklickt und 68-mal kommentiert – überwiegend positiv.
Das «Kanzlerschaft»-Video auf Youtube

Für das Web ediert von Ragnar Vogt