Umweltminister gegen Atommüll-Endlager : 

netzeitung.deMerkel und Gabriel streiten um Gorleben-Zukunft

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Sigmar Gabriel beleuchtet die Asse genauer (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sigmar Gabriel beleuchtet die Asse genauer
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Die Kanzlerin fordert für das marode Lager Asse eine «schonungslose Analyse». Der Umweltminister kündigt eine Entscheidung an. Unterdessen sorgt das geplante Endlager Gorleben für Ärger.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine umfassende Sanierung des maroden Atommülllagers Asse in Niedersachsen zugesichert. Das Ziel sei, dass die Asse «ordentlich saniert wird und ein Weg gefunden wird, bei dem sich keiner Sorgen machen muss», sagte Merkel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Es werde eine «schonungslose Analyse» geben. Merkel kritisierte zugleich die Absage von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) an ein Atommüll-Endlager in Gorleben.

Wegen des Auslaufens der Erkundungsrechte im Jahr 2015 könne man ein Endlager Gorleben nur über ein Enteignungsverfahren durchsetzen, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag bei einem Besuch des Atommülllagers Asse. «Diesen Weg wird es mit der SPD nicht geben», betonte Gabriel. Es gebe kaum noch eine Chance, Gorleben als Endlager wieder ins Spiel zu bringen. «Ich will es auch gar nicht», sagte er.

Merkel forderte eine weitere Prüfung von Gorleben. «Das Moratorium ist noch nicht aufgehoben. Das finde ich nicht gut», sagte die CDU-Chefin. «Ich wäre dafür, dass man das offen erkundet. Ich finde es komisch, auf halber Strecke stehenzubleiben, das nicht weiterzumachen, um dann immer zu sagen: Aber wir wissen ja nun noch nicht, ob das geeignet ist.» Die Wirtschaft habe schon viel Geld in die Erkundung investiert.

Katalog von 18 Kriterien
Für das Bergwerks Asse bei Wolfenbüttel stellte der Umweltminister auf dem Gelände einen Katalog von 18 Kriterien vor, die bei Entscheidung über die Art der Sanierung des einsturzgefährdeten Atommülllagers den Ausschlag geben sollen. Es gebe drei Optionen zur Sanierung der Asse, das Herausholen des Atommülls, das Umlagern und das Verfüllen des Bergwerks mit Salzbeton, sagte Gabriel. Zu den drei Optionen seien Gutachten in Auftrag gegeben worden.

Nach den 18 Kriterien könne man die Folgen jedes Sanierungswegs für das Personal des Bergwerks, die Anwohner und die Langzeitsicherheit abschätzen, sagte der Umweltminister. Zudem spielten bei der Wahl der Sanierungsoption rechtliche und technische Machbarkeit und Zeitbedarf eine Rolle. Einen risikolosen Weg zur Sanierung der Asse gebe es jedoch nicht. «Wir werden mehr oder minder problematische Optionen haben», sagte er.

Konzept bis Ende des Jahres
Der Umweltminister kündigte erneut eine Entscheidung über das Sanierungskonzept für die Asse bis Ende des Jahres an. Bei der Suche nach dem Sanierungsweg habe man «die Menschen in der Region von Anfang an einbezogen», betonte er. Nur so könne man bei den zu Recht misstrauischen Anwohnern neues Vertrauen schaffen. Die Gutachter zu den verschiedenen Sanierungsoptionen habe die Asse-Begleitgruppe vorgeschlagen, in der Kommunalpolitiker und Bürgerinitiativen vertreten sind. Die Kriterien für die Sanierung seien vor der Fertigstellung der Gutachten festgelegt worden, betonte Gabriel. Dieses Vorgehen sei beispielhaft auch für die künftige Suche nach einen Endlagerstandort für hochradioaktiven Müll.

Die CDU-Chefin warnte erneut vor einem zu schnellen Atomausstieg. «Wir haben sehr, sehr gute Vorstellungen von den Sicherheitsanforderungen», sagte Merkel. «Ich möchte, dass Deutschland da mitsprechen kann, weil wir natürlich auch von Unfällen in anderen Ländern betroffen sein würden.»

Von 1967 bis 1978 waren schwach- und mittelradioaktive Abfälle in die Asse bei Wolfenbüttel eingelagert worden. Seit Jahren dringt Wasser in das ehemalige Salzbergwerk ein. Offen ist, ob der radioaktive Müll aus dem Bergwerk herausgeholt werden muss oder nur umgelagert werden kann. Ein drittes Modell ist laut Gabriel das Auffüllen mit Beton. (nz/AP/dpa)