Nach dramatischen CDU-Verlusten in Thüringen: 

netzeitung.deMinisterpräsident Althaus legt alle Ämter nieder

 Herausgeber: netzeitung.de

Dieter Althaus, ehemaliger Ministerpräsident von Thüringen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Dieter Althaus, ehemaliger Ministerpräsident von Thüringen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Am Vortag wurde er noch demonstrativ von der Führungsriege seiner Partei gestützt. Doch der Basis war ein Verbleib im Amt wohl nicht mehr vermittelbar.

Vier Tage nach den schweren Verlusten der CDU bei der Landtagswahl in Thüringen tritt Ministerpräsident Dieter Althaus zurück. Das kündigte er am Donnerstag in Erfurt an. Auch sein Amt als Landesvorsitzender der CDU legte er mit sofortiger Wirkung nieder. Der 51 Jahre alte Politiker reagierte damit am Donnerstag auf Forderungen der eigenen Partei und der SPD, einer Koalition mit den Sozialdemokraten nicht im Wege zu stehen.

Noch am Mittwoch hatte sich die CDU-Führung demonstrativ hinter Althaus gestellt. Er sehe in Thüringen keine innerparteiliche Diskussion über die Rolle von Althaus, sagte CDU-Generalsekretär Roland Pofalla. Der nun zurückgetretene Ministerpräsident sollte auch am Sonntag an der offiziellen CDU-Auftaktveranstaltung zur Bundestagswahl in Düsseldorf teilnehmen.

Als Nachfolgerin wird die derzeigte Sozialministerin Christine Lieberknecht gehandelt. Auch Lieberknecht hatte bis zuletzt zu dem kritisierten Politker gehalten. Sie sagte noch am Mittwoch, die Partei habe mit Althaus den Wahlkampf bestritten, er werde die Gespräche über eine Koalitionsbildung führen und wieder das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen.

Rumoren an der Basis
An der Basis rumorte es dagegen bereits vernehmbar. So hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Günter Grüner Althaus aufgefordert, notfalls als Ministerpräsident zurückzutreten, um eine schwarz-rote Regierung zu ermöglichen. Auch der Präsident des Gemeinde- und Städtebundes in Thüringen und Bürgermeister von Waltershausen, Michael Brychcy, sagte der «Thüringischen Landeszeitung», Althaus solle sich freiwillig zurückziehen. «Wenn man den Neuanfang will, dann geht es nicht anders», wurde das langjährige CDU-Mitglied zitiert.

Althaus war seit Juni 2003 Ministerpräsident des Landes. Im Winter hatte er einen schweren Skiunfall, bei dem er auf einer Piste in Österreich mit einer Frau zusammenstieß, die kurz darauf starb. Er selbst erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und fiel vier Monate lang aus. Die CDU hatte bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag fast zwölf Prozentpunkte verloren und damit nach zehn Jahren ihre absolute Mehrheit eingebüßt. (nz/dpa/AP)