Auch Struck hält Waffenhändler für «Aufschneider»: 

netzeitung.deCSU zieht Schreibers Glaubwürdigkeit in Zweifel

 Herausgeber: netzeitung.de

Schreiber nach seiner Festnahme auf dem Weg in die U-Haft (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Schreiber nach seiner Festnahme auf dem Weg in die U-Haft
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Äußerlich gibt sich die CSU gelassen - der Prozess gegen Ex-Waffenlobbyist Schreiber werde eher «etwas für Historiker». Gleichwohl betont Ramsauer vorauseilend, dass Schreiber sowieso wenig glaubhaft sei.

Der nach Deutschland ausgelieferte ehemalige Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber wird der Union im Wahlkampf nach Ansicht von CSU-Vize Peter Ramsauer nicht schaden. «Die Glaubwürdigkeit von Herrn Schreiber ist in der Vergangenheit schon hinreichend durch sich selbst erschüttert worden», sagte der CSU-Landesgruppenvorsitzende der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Der frühere Waffenhändler ist eine Schlüsselfigur im CDU-Spendenskandal um den ehemaligen Bundeskanzler und Parteivorsitzenden Helmut Kohl sowie dessen Nachfolger im CDU-Vorsitz, den heutigen Innenminister Wolfgang Schäuble. Schreiber wird millionenschwere Steuerhinterziehung, Betrug und Bestechung in mehreren Fällen vorgeworfen. Er sitzt nach seiner Auslieferung aus Kanada in Augsburg in Untersuchungshaft.

Ramsauer geht nicht davon aus, dass der Prozess gegen Schreiber spektakuläre Details offenbaren wird. «Er ist in Toronto schon vor Jahren intensiv vernommen worden», sagte Ramsauer. «Dabei sind zum Teil wirre und in sich widersprüchliche Aussagen herausgekommen. Ich glaube eher, dass dieser Fall etwas für Historiker wird.»
Struck nennt Schreiber «Wichtigtuer»
Der CSU-Vize sieht keine drohenden Konsequenzen für den Wahlkampf zur Bundestagswahl am 27. September. «Mit dem aktuellen politischen Geschehen hat das nichts zu tun.» Der CSU-Politiker geht allerdings davon aus, dass die SPD das Thema im Wahlkampf nutzt. «Die SPD versucht, aus dieser Angelegenheit politisches Kapital zu schlagen», sagte Ramsauer.

Allerdings warnte auch SPD-Fraktionschef Peter Struck vor zu großen Erwartungen an mögliche Enthüllungen des ehemaligen Waffenlobbyisten. «Schreiber ist ein Aufschneider, ein Wichtigtuer», sagte er der «Berliner Zeitung». Trotzdem sei es natürlich interessant, an wen Schreiber gespendet habe. Vielleicht nenne er noch Empfänger, die bisher nicht bekannt seien. «Viel interessanter aber wäre Helmut Kohl, wenn der endlich mal erzählen würde, woher die geheimen Spenden für die CDU gekommen sind», sagte Struck.

Schreiber soll über ein weit verzweigtes System von Schweizer Konten Politiker und Industrielle bestochen haben. Über seinen Anwalt wies er die Beschuldigungen pauschal zurück. Von Kanada aus hatte Schreiber in der Vergangenheit aber mehrfach spektakuläre Enthüllungen angedeutet. (dpa/nz)