24.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Plakat des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland für die Anerkennung von 'Regenbogenfamilien'
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Eine Studie zeigt, dass Kinder homosexueller Eltern genauso gut aufwachsen wie solche in «klassischen» Familien. Doch die Union jucken wissenschaftliche Ergebnisse wenig: Sie hält an ihrem Weltbild fest und lehnt Zypries' Vorstoß ab.
Mit ihrer Forderung nach dem vollen Adoptionsrecht für Homosexuelle stößt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) beim Koalitionspartner auf heftigen Widerstand. Der Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk, warf Zypries vor, ein «billiges Wahlkampfmanöver» zu veranstalten. «Ich glaube, dass es, bei aller Toleranz für gleichgeschlechtliche Beziehungen, für Kinder besser ist, wenn sie bei Mann und Frau aufwachsen», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger».
Der besondere Schutz des Grundgesetzes für Ehe und Familie dürfe nicht aufgeweicht werden, sagte Koschyk. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach sagte der Zeitung, Kinder seien «am besten aufgehoben bei Mann und Frau. Eine völlige Gleichstellung möchten wir nicht.»
Auch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) wies Zypries' Vorstoß zurück. Ziel von Adoptionen sei es, für Kinder eine optimale Familie zu finden und nicht umgekehrt, sagte Haderthauer der «Passauer Neuen Presse». «Die Einschätzung des Gesetzgebers, wonach Ehepaarfamilien am besten solche optimalen Bedingungen gewährleisten können, halte ich nach wie vor im Sinne des Kindeswohls für angemessen und richtig.»
Zypries stützt ihre Forderung auf eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Universität Bamberg. Demnach erleiden Kinder homosexueller Eltern im Vergleich zur klassischen Familiensituation keine Nachteile. Sie entwickelten sich genauso gut wie Kinder aus heterosexuellen Beziehungen, ergab die Studie. Entgegen gängiger Vorurteile fehlt ihnen weder der Vater (oder die Mutter), um eine Geschlechtsidentität zu entwickeln, noch werden sie deswegen automatisch selber homosexuell.
Im Gegenteil: «Die Kinder sind mindestens ebenso, wenn nicht sogar ein bisschen mehr, in den jeweiligen Geschlechterrollen verwurzelt», erklärte die verantwortliche Leiterin der Studie, Marina Rupp, vom Institut für Familienforschung an der Uni Bamberg. In Deutschland werden der Studie zufolge inzwischen mindestens 6600 Kinder in «Regenbogenfamilien» groß werden also von zwei lesbischen Müttern oder zwei schwulen Vätern erzogen. Die meisten Kinder stammen aus früheren heterosexuellen Beziehungen.
Zypries sagte, angesichts der Untersuchungsergebnisse bestehe für den Gesetzgeber kein Grund, die gemeinsame Adoption für Lebenspartner nicht zuzulassen. Voraussetzung sei, dass Deutschland endlich das geänderte Europäische Adoptionsübereinkommen ratifiziere. Es lässt im Unterschied zur Fassung von 1967 die gemeinsame Adoption auch durch Lebenspartner zu. Bislang kann nur ein Partner ein Kind adoptieren.
Unterstützung erhielt Zypries von der FDP und den Grünen. Die Studie belege, «wie realitätsfremd das Familienbild der Union ist», kritisierten die Grünen. Die rechtspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, meinte: «Wer eine Lösung sucht, die streng am Kindeswohl orientiert ist, muss dem gemeinsamen Adoptionsrecht für Lebenspartner zustimmen.» (nz/dpa/AP)