Angst vor der Mexiko-Grippe: 

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Angst vor der Mexiko-Grippe 

Lupe Deutschland bereitet riesige Impfaktion vor

25 Millionen Bürger sollen von der Aktion gegen das neue Virus profitieren. Nun wurden Details der geplanten Impfungen veröffentlicht. Einen kleinen Haken haben die Vorbereitungen: Es gibt derzeit noch keinen Impfstoff.

Im Herbst beginnt in Deutschland die größte Impfaktion der Bevölkerung seit fast 50 Jahren. Zunächst sollen 25 Millionen Bürger aufgerufen werden, sich freiwillig gegen die Mexiko-Grippe impfen zu lassen, teilte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt am Mittwoch in Berlin mit.

Dazu gehörten Menschen, die aufgrund ihres Berufs in Kontakt zu Infizierten kommen könnten wie bei Feuerwehren, Polizei und Rettungsdiensten. Auch chronisch kranke wie Diabetiker, Asthmakranke und Übergewichtige sollen als erste geimpft werden.

«Deutschland ist auf die neue Grippe gut vorbereitet», sagte Schmidt weiter. Durch Verordnungen mit den Bundesländern hatte sie zuvor rechtlich den Weg für die Impfaktion freigemacht. Sie ist für die Bürger kostenlos. «Die Impfungen werden freiwillig sein. Es ist ein Angebot», betonte Schmidt. In Deutschland sind bislang über 700 Fälle der Mexikanischen Grippe registriert.

WHO: Noch kein Impfstoff
Allerdings existiert derzeit noch kein Impfstoff. Darauf wies die Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, in einem Interview mit der britischen Zeitung «Guardian» hin. «Es gibt keinen Impfstoff», sagte sie. Zwar werde es wahrscheinlich bereits im August einen Impfstoff geben. Aber zunächst müsse dessen Sicherheit getestet werden, erst dann könnten die Impfungen beginnen.

Unabhängig davon wurden in Deutschland zunächst 50 Millionen Impfdosen bestellt, damit 25 Millionen Menschen in zwei Durchgängen geimpft werden können. Die bisher letzte vergleichbare Impfaktion hatte es in der alten Bundesrepublik 1961 gegeben. Damals erhielten 60 Millionen Bürger eine Schluckimpfung gegen Kinderlähmung (Polio).

Krankheitsverlauf in Deutschland bisher moderat
Bisher, sagte Schmidt, sei die gemeinhin Schweinegrippe genannte Krankheit in Deutschland «sehr moderat» verlaufen. Der Krankheitsverlauf könne aber schwieriger werden, wenn er auf eine Grunderkrankung treffe. Die Massenimpfung erfordert eine große organisatorische Anstrengung. Schmidt geht davon aus, dass die Krankenhäuser selbst ihr Personal impfen und dass Firmen in ihren Räumen Impfmöglichkeiten anbieten.

In den einzelnen Bundesländern wird es jetzt bis Herbst Vereinbarungen mit den einzelnen Krankenkassen geben. Darin sollen auch die Aufrufe zu der Impfaktion und die Orte, wo geimpft werden kann, geregelt werden.

Belgische Armee im Einsatz gegen die Grippe
Mit außergewöhnlichen Anstrengungen will sich Belgien gegen die Mexiko-Grippe rüsten: Zur Verteilung von Atemschutzmasken und Anti-Grippe-Medikamenten rückten am Mittwoch die Streitkräfte aus, kündigte Verteidigungsminister Pieter De Crem im Fernsehsender VRT an.

Insgesamt sollten rund 90.000 Packungen antiviraler Medikamente und 900.000 Masken Atemschutzmasken auf Lagerhäuser im ganzen Land verteilt werden. In Belgien wurden bislang rund 100 Patienten mit dem neuen Virus registriert, die Regierung befürchtet aber eine Ausbreitung der Krankheit im Herbst.

Nach jüngsten Zahlen der EU-Seuchenbehörde ECDC sind bislang weltweit rund 120.000 Menschen an der Mexikanischen Grippe erkrankt, es gibt jedoch eine hohe Dunkelziffer. 589 der Patienten sind gestorben, 14 davon in Großbritannien. In Deutschland registrierte das Robert Koch-Institut bislang 834 Fälle. (nz/dpa/AP)