08.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Regierung verurteilt Attacke auf Ägypterin
Nach dem tödlichen Messerangriff in Dresden hatten Muslime dem Staat vorgeworfen, nicht angemessen reagiert zu haben. Ein Regierungssprecher wies das zurück und warnte vor einer «Islamophobie».
Die Bundesregierung hat die tödliche Messerattacke auf eine 31-jährige Ägypterin in Dresden als «abscheuliche Tat» verurteilt. Der Anschlag im Landgericht am vergangenen Mittwoch habe «uns alle bestürzt und betroffen gemacht», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin.
Zugleich wies Steg die Kritik von Muslimen zurück, die Regierung habe nicht auf die Dresdner Tat reagiert. Die Ausländerbeauftragte Maria Böhmer (CDU) habe dem Ehemann der getöteten Frau das Beileid ausgesprochen und die Abscheu über die Tat zum Ausdruck gebracht, sagte Steg. «Die Bundesregierung hat nicht geschwiegen.»
Sowohl der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland als auch der Zentralrat der Muslime hatten der Regierung vorgeworfen, sie habe nach der tödlichen Bluttat nicht eindeutig Stellung bezogen.
Treffen beim G8-GipfelNach den Worten Stegs könnten Gewalttaten dieser Art «nur aufs Schärfste verurteilt werden». Dabei spiele es keine Rolle, ob ein fremdenfeindlicher Hintergrund vorliege oder nicht. In Deutschland gebe es keinen Platz für Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit und auch nicht für «Islamophobie», sagte Steg offensichtlich in Anspielung auf die bisher bekannten Motive des Täters.
«Wir wissen auch um die Empörung», sagte Steg mit Blick auf die Reaktionen in Ägypten. Dort waren unter anderem Rassismusvorwürfe gegen Deutschland laut geworden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde am Rande des G8-Gipfels im italienischen L'Aquila mit Ägyptens Präsident Husni Mubarak zusammentreffen. Dort gebe es dann Gelegenheit, auch über diese Vorgänge zu sprechen.
Schweigemärsche für MarwaDer Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland rief zu friedlichen Schweigemärschen für die Getötete auf. «Marwas Tod hat uns in Angst und Schrecken versetzt. Die Politik muss endlich die Islamphobie in unserem Land ernst nehmen», hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme des Rates mit Sitz in Köln. Marwa S. sei auch «Opfer der Hetze und Verleumdungen, die spätestens seit der Zeit der Entscheidung zum Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst und auf einschlägigen Internetseiten betrieben wird».
Der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, appellierte im Berliner «Tagesspiegel» an die in Deutschland lebenden Muslime, sich nicht von Hass anstecken zu lassen. Mit einem «Signal der Anteilnahme» könne man auch helfen, die wütenden Reaktionen in Ägypten zu beschwichtigen.
Am Mittwoch vergangener Woche hatte ein 28 Jahre alter Russland-Deutscher während einer Berufungsverhandlung in einem Beleidigungsprozess am Dresdner Landgericht die 31-jährige Zeugin mit 18 Stichen getötet. (epd/dpa/AP)