Protest-Angebot der «Titanic»: 

netzeitung.deEbay hat Ehrenkreuz-Auktion schon gelöscht

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Schon wieder offline: Screenshot der Ehrenkreuz-Auktion Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Schon wieder offline: Screenshot der Ehrenkreuz-Auktion Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ebay hat auf eine Online-Auktion, bei der angeblich eines der neuen Ehrenkreuze für Soldaten verkauft werden sollte, prompt und unmissverständlich reagiert. Das Satire-Magazin «Titanic» hatte das Angebot hochgeladen.

Es war ein Scherz des Satire-Magazins «Titanic»: Die Irritationen über eine Online-Auktion auf Ebay, bei der angeblich eines der am Montag von Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals vergebenenen neuen Ehrenkreuze für Bundeswehrsoldaten angeboten wurde, sind vorbei.

Die Auktion sei als Protest gegen militärische Auszeichnungen zu verstehen, betonte «Titanic»-Mitarbeiter Martin Sonneborn am Dienstag. «Wir wollten mal gucken, wie sehr sich Tapferkeit auszahlt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Wir haben das Angebot gelöscht», sagte ein Ebay-Sprecher am Dienstagnachmittag der Netzeitung. Denn bei der Auktion habe es sich nicht um «ein ernsthaftes Angebot» gehandelt und der Anbieter habe somit eindeutig «gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen» von Ebay verstoßen. Möglicherweise habe der Verkauf der «politischen Meinungsäußerung gedient.

Gelöscht ist somit die Auktion des anonymen Verkäufers «jackjackjackjack99», der am Dienstag für einige Stunden unter der Artikelnummer 250459927658 in einer auf zehn Tage angelegten Auktion folgenden Artikel anbot: «Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit. NEU - von Bundeskanzlerin Merkel am Montag verliehen!!! Artikelzustand: Neu». Artikelstandort ist Berlin, eingestellt wurde das Angebot von einem privaten Verkäufer.

Über den Verkäufer lagen keine weiteren Angaben vor, er ist bislang erst einmal auf Ebay in Erscheinung getreten - als Käufer. Am Dienstagnachmittag vor der Löschung lag das Höchstgebot bei knapp über 100 Euro, 25 Gebote waren abgegeben worden. Auf schriftliche Nachfrage reagierte der Verkäufer vorerst nicht. Auch die Bundeswehr hatte bereits begonnen sich mit dem Fall zu befassen.

Auszeichnung am Montag
Am Montag waren erstmals in der Geschichte der Bundeswehr Soldaten von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Orden für ihre Tapferkeit ausgezeichnet worden. Die Hauptfeldwebel Henry Lukacz aus Jena, Jan Berges aus Siegen, Alexander Dietzen aus Kaiserslautern und Oberfeldwebel Markus Geist aus Würzburg erhielten das neue Ehrenkreuz für «besonders tapferes Verhalten bei außergewöhnlicher Gefährdung von Leib und Leben».

Nach einem Selbstmordanschlag in Afghanistan im Oktober 2008 hatten sie Kindern und verletzten Soldaten geholfen, obwohl in unmittelbarer Nähe ein Fahrzeug brannte und Munition explodierte. «Eine Armee im Einsatz braucht eine solche Auszeichnung», sagte Merkel und verteidigte die Ordensvergabe gegen Kritik. «Unsere Soldatinnen und Soldaten müssen für ihren Einsatz mehr Anerkennung bekommen.»

Höchster Orden der Bundeswehr
Bundespräsident Horst Köhler hatte das Ehrenkreuz war im Oktober 2008 per Erlass eingeführt, es handelt sich um den höchsten Orden der Bundeswehr. Nach Kriegsende war das bis zum Jahr 1945 über 100 Jahre lang verliehene Eiserne Kreuz abgeschafft worden. Kritiker sehen in der Einführung eines neuen Tapferkeitsordens die Wiederbelebung eines Heldenkultes.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Partei Die Linke, Paul Schäfer, sieht darin eine Rückkehr «längst überkommen geglaubter militaristischer Rituale zur Glorifizierung und Verherrlichung des Soldatentums». (nz)