Gelöschte Stelle im Lebenslauf: 

netzeitung.deSPD-Politikerin unterschätzt Netz-Gedächtnis

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Gelöschte Stelle im Lebenslauf 

Lupe SPD-Politikerin unterschätzt Netz-Gedächtnis

Hannelore Kraft hat den Namen einer Firma aus ihrer kurzen Online-Biografie entfernt. Weil das Unternehmen in einen Skandal verwickelt war? Die Fragen wird die SPD-Landesvorsitzende von NRW jetzt nicht mehr los.

Es gibt ein altes Internetsprichwort, das geht sinngemäß so: Wenn man erst mal in einen Pool gepinkelt hat, kriegt man das da schwer wieder raus. Bedeutet: Das Netz vergisst nichts. Man müsste schon das ganze Wasser ablassen, aber auf die Idee, das komplette Internet zu löschen, sind bisher auch sehr progressive Offline-Politiker noch nicht gekommen. Wie wenig das Internet vergisst, ist jetzt auch Hannelore Kraft, der SPD-Landesvorsitzenden von Nordrhein-Westfalen, bewusst geworden.

Kraft hat einige Worte aus ihrem Lebenslauf gelöscht. Über den Zeitraum von 1989 bis 2001 stand dort einmal: «Unternehmensberaterin und Projektleiterin beim Zentrum für Innovation und Technik NRW (ZENIT GmbH) in Mülheim an der Ruhr». Das lässt sich in Internetarchiven rekonstruieren. Nun steht da nur noch: «Unternehmensberaterin und Projektleiterin». Die Zenit GmbH war in einen Fördermittelskandal in NRW verwickelt.

Dem Blog Ruhrbarone.de war die Veränderung aufgefallen. Daraufhin schickte der Anwalt der SPD-Politikerin dem Blog-Autor und Journalisten David Schraven eine Unterlassungserklärung. Das Löschen wurde darin laut Schraven nicht bestritten, stattdessen aber seine Behauptung, Krafts Rolle in dem Skandal sei «hinterfragt» worden. Schraven veröffentlichte auch einen Beitrag über die Unterlassungserkärung und lieferte Belege für die Behauptung. Gegenüber «Spiegel Online» nannte Kraft es «rechtswidrig», sie mit dem Skandal in Verbindung zu bringen. Die Geschichte von dem gelöschten Eintrag schwirrt jetzt aber durch die Blogosphäre und ist nicht nur dort ein Thema.

Platz für Prognos
Auch die politische Konkurrenz in NRW nahm sich der Sache an und entwarf eine Postkartenaktion mit der Frage: «Haben Sie etwas zu verbergen, Frau Kraft?». Die CDU, die übrigens auf ihrer Homepage mit etwas zweifelhaften Methoden den Besitzern ihre E-Mail-Adresse abnehmen will, kreierte den Spott-Namen Kraftilanti, in Anlehnung an die ehemalige hessische Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti, der immer ihr gebrochenes Wahlversprechen über die Kooperation mit der Linkspartei vorgeworfen worden war.

Die SPD-Vorsitzende verteidigte sich. Der Text auf ihrer Homepage sei mit der Zeit einfach zu lang geworden, sagte sie «Spiegel Online». Wofür aber immer noch Platz ist: «1986 - 1987 Auslandsstudium am King's College, London; Praktikum bei der Banque Populaire Tours, Frankreich; Praktikum bei der PROGNOS AG, Basel, Schweiz». An anderer Stelle hat Kraft sogar erweitert, es gibt mittlerweile den neuen Punkt Hobbys: «Spiel, Sport und Spaß mit Mann, Sohn und Hund; Essen und Klönen mit Freunden». (nz)