44 Prozent halten Erhöhungen sogar für nötig: 

netzeitung.deMehrheit traut Merkels Steuer-Schwur nicht

 Herausgeber: netzeitung.de

Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Steuererhöhungen, Einsatz in Afghanistan und die Wahl des nächsten Bundeskanzlers: Der Deutschlandtrend der ARD hat die Stimmungslage in Deutschland ermittelt. Dabei sind die Wähler offenbar oft anderer Ansicht als ihre Regierenden - und strafen vor allem einen Politiker regelrecht ab.

Mehr als drei Viertel der Deutschen halten einer Umfrage zufolge das Steuerversprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel für unglaubwürdig. Für 78 Prozent ist die Zusicherung der Unionsparteien, in den kommenden vier Jahren keine Steuererhöhungen vorzunehmen, nicht glaubwürdig.

Das ergab der ARD-Deutschlandtrend von Infratest dimap für die «Tagesthemen». Immerhin 44 Prozent erachten demnach Steuererhöhungen in der nächsten Legislaturperiode sogar für nötig. Eine knappe Mehrheit von 50 Prozent ist dagegen der Meinung, dass Steuererhöhungen nicht notwendig seien.

Guttenberg weiter auf dem Vormarsch
Ebenfalls ermittelt wurde die Zustimmung zu den Parteien. In der sogenannten «Sonntagsfrage» verliert die Union gegenüber dem Vormonat einen Punkt und erreicht 35 Prozent der Stimmen. Die SPD verliert zwei Punkte und kommt auf 23 Prozent. Die FDP gewinnt einen Punkt hinzu und erreicht 15 Prozent. Die Linke legt ebenfalls um einen Punkt zu und kommt auf zehn Prozent. Die Grünen erreichen unverändert 13 Prozent. Union und FDP hätten damit zusammen weiterhin eine rechnerische Mehrheit von 50 Prozent.

Angela Merkel führt weiterhin die Liste der beliebtesten Parteipolitiker an. Mit ihrer Arbeit sind 71 Prozent der Deutschen zufrieden (+3 gegenüber dem Vormonat). Außenminister Frank-Walter Steinmeier verliert hingegen weiter an Zustimmung. Der SPD-Kanzlerkandidat büßt acht Punkte gegenüber dem Vormonat ein und liegt mit einer Zustimmung von 55 Prozent auf dem dritten Platz. Damit tauscht er die Plätze mit Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der unverändert auf 61 Prozent Zustimmung kommt und den zweiten Platz belegt.

Soviel Unbehagen wie nie zu Afghanistan
Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr stößt bei den Deutschen auf die bislang größte Ablehnung. Im aktuellen ARD-DeutschlandTrend sprechen sich 69 Prozent der Bundesbürger dafür aus, dass die Bundeswehr «sich möglichst schnell aus Afghanistan zurückziehen sollte». Dies sind fünf Punkte mehr im Vergleich zum April dieses Jahres und der höchste Wert, der bei dieser Frage je im ARD-DeutschlandTrend gemessen wurde. 27 Prozent sind der Meinung, die Bundeswehr sollte weiterhin in Afghanistan stationiert bleiben (-5).

Die Forderung nach einem schnellen Rückzug findet eine Mehrheit bei den Anhängern aller Parteien. Die größte Zustimmung erhält der Einsatz der Bundeswehr bei den Anhängern der Grünen (43 Prozent). Für die Umfrage im Auftrag der «Tagesthemen» hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am Montag und Dienstag dieser Woche 1.000 Wahlberechtigte bundesweit telefonisch befragt.(nz)