01.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
AKW Philippsburg
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Zum 50-jährigen Bestehen hat das Deutsche Atomforum nicht nur Glückwünsche erhalten. Ungewöhnlich scharfe Attacken erfuhr der Lobbyverband von Umweltminister Sigmar Gabriel und den Grünen.
Umweltminister Sigmar Gabriel hat die Atomindustrie scharf attackiert. «50 Jahre Atomforum - das bedeutet ein halbes Jahrhundert Lug und Trug», erklärte der SPD-Politiker am Mittwoch zum Jubiläum des Branchenverbands.
«Die Propagandazentrale der Atomkonzerne steht wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind», fuhr Gabriel fort. Das Atomforum «hat in den 50 Jahren seiner sinnlosen Existenz keinen Propagandatrick und erst recht keine Kosten gescheut, den Deutschen die Atomkraft schmackhaft zu machen und ist doch genau daran gescheitert», erklärte Gabriel.
Atomkraft sei bei der Mehrheit der Bevölkerung unbeliebt. Sie stehe nicht vor ihrer Wiedergeburt, sondern vor dem Aus. «Und mit dem absehbaren Abschalten des letzten Atomkraftwerks in Deutschland wird auch das Deutsche Atomforum dort landen, wo es hingehört: auf den Misthaufen der Geschichte», erklärte Gabriel.
Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von der «Nummer eins unter den gemeingefährlichen Lobbyverbänden Deutschlands». Ganz ähnlich äußerte sich die Grünen-Umweltpolitikerin Sylvia Kotting-Uhl. «Das Atomforum sollte öfter tagen. Immer wenn sich die Propagandaabteilung der Atomlobby trifft, muss ein AKW abgeschaltet werden. Unterdessen fordert die Festrednerin Angela Merkel beim Atomforum die Verlängerung der Laufzeiten», sagte Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl.
«Zum Wohlstand beigetragen» Zum 50-jährigen Bestehen hatte das Atomforum für Mittwochabend zu einem Empfang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geladen. Verbandspräsident Walter Hohlefelder warb erneut für eine Abkehr vom Atomausstieg. «Die friedliche Nutzung der Kernenergie hat zur Entwicklung von Wohlstand und Wohlfahrt unseres Landes beigetragen», erklärte er.
Bliebe es beim Ausstieg, würden in der nächsten Legislaturperiode sieben von 17 Atomkraftwerken abgeschaltet. «Dies würde nicht ohne negative Folgen für den Industrie- und Wirtschaftsstandort bleiben», erklärte Hohlefelder. Kernenergie und Erneuerbare Energien seien kein Gegensatz, beides werde gebraucht.
Ökostrombranche warnt vor Jobverlusten Die Ökostrombranche sieht dies jedoch ganz anders und warnt vor Arbeitsplatzverlusten, falls Union und FDP nach der Wahl den Atomausstieg rückgängig machen. Zehntausende Jobs seien in Gefahr, erklärten die Deutsche Umwelthilfe und die Erneuerbare-Energien-Branche in einem gemeinsamen Appell.
Atomgegner argumentieren, der billige Atomstrom würde Investitionen in Erneuerbare sowie Netzkapazitäten blockieren. Derzeit arbeiten etwa 285.000 Menschen in der Erneuerbaren-Energien-Branche. In der Atombranche sind etwa 30.000 Menschen beschäftigt.
Nach Angaben von Greenpeace gab es in den vergangenen 50 Jahren rund 5700 Pannen in deutschen Atomkraftwerken. Auslöser der Störungen im AKW-Betrieb seien unter anderem Kühlwasserleckagen und Löcher im Druckwasserbehälter, beschädigte Rohrleitungen und Ventile, totaler Stromausfall und Feuer sowie eine Wasserstoffexplosion nahe des Reaktordruckbehälters. Jede dieser Pannen hätte zu einer Atom-Katastrophe führen können. Die Umweltschutzorganisation forderte die sofortige Abschaltung der sieben ältesten AKW und den vollständigen Atomausstieg bis 2015. (dpa/AP)