Brücke verschandelt Kulturlandschaft: 

netzeitung.deWelterbe-Titel für Dresdner Elbtal aberkannt

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Keine Kulturlandschaft mehr: Elbtal mit Brückenbaustelle (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Keine Kulturlandschaft mehr: Elbtal mit Brückenbaustelle
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Der Brückenbau zu Dresden hat die Stadt nun ihren Welterbe-Titel gekostet. Ein letztes Bitten der Oberbürgermeisterin hat nichts genutzt.

Das Dresdner Elbtal verliert wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke nach fünf Jahren seinen Welterbe-Titel. Das teilte die deutsche Unesco-Kommission am Donnerstag in Bonn mit. Das Welterbekomitee votierte mit 14 zu fünf bei zwei ungültigen Stimmen für die Aberkennung des begehrten Welterbetitels. Damit ist weltweit erstmals eine Kulturstätte betroffen. Nach Ansicht der Unesco verschandelt das Bauwerk das Flusstal und zerstört dadurch die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen.

Die Debatte der Vertreter der 21 Mitgliedsstaaten im spanischen Sevilla war vor der Entscheidung noch einmal unterbrochen worden. Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte nach Angaben der Stadt die Möglichkeit, kurz zu den Delegierten zu sprechen. Ursprünglich sollte das Elbtal bereits am Dienstag an der Reihe sein, die Beratungen über andere gefährdete Welterbestätten zogen sich aber länger hin als erwartet. Das Dresdner Elbtal steht bereits seit drei Jahren auf der Roten Liste der gefährdeten Stätten. Grund ist der Bau der Waldschlößchenbrücke über den Strom, der bereits in vollem Gang ist.
Planungen seit über 20 Jahren bekannt
Die Unesco hatte Dresden vor einem Jahr eine letzte Frist gesetzt und den Baustopp der Brücke verlangt. Dennoch gingen die Arbeiten weiter. Die vierspurige Autobrücke entsteht mitten im Welterbegebiet in Sichtweite der historischen Altstadt. Orosz hatte vor ihrer Abreise nach Sevilla betont, sie wolle um einen weiteren Aufschub bis zur Fertigstellung der Brücke werben. Dann werde sich zeigen, dass die Brücke nicht die Landschaft verschandele.

Die Waldschlößchenbrücke ist seit Ende 2007 im Bau und soll fast die ganze Breite des Dresdner Elbtals überspannen. Der Errichtung der Brücke waren ein jahrelanges politisches Gezerre und juristische Auseinandersetzungen vorausgegangen. Die Kosten liegen bei gut 156 Millionen Euro, von denen bisher 37 Millionen Euro verbaut sind. Die Landeshauptstadt Dresden finanziert 141,7 Millionen Euro, davon sind 96 Millionen Euro Fördermittel vom Freistaat. 2011 soll der Verkehr über die Brücke rollen.

Planer finden Brücke passend
Die Unesco hatte im Jahr 2004 das Elbtal mit seiner einzigartigen Kombination von Schlössern, Monumenten, Parks, Gärten, Weinbergen, Hangwäldern und Flussauen den Welterbe-Titel verliehen. Streit gibt es bis heute über die Frage, wie ersichtlich die Auswirkungen des geplanten Baus bereits bei der Anerkennung zum Weltkulturerbe 2004 waren. Denn dass die Brücke kommen sollte, steht seit einem Stadtratsbeschluss von 1996 fest. Klar ist, dass ihr Standort in den Bewerbungsunterlagen für die Unesco falsch eingetragen war.

Kritiker sprechen bei der 635 Meter langen Brücke von einem «überdimensionierten Monstrum». Der in den USA lebende Medizin-Nobelpreisträger und Dresden- Liebhaber Günter Blobel hatte den Stein ins Rollen gebracht. Er hatte sich mit seiner Sorge um die einzigartige Landschaft an das Welterbezentrum in Paris gewandt. Das äußerte daraufhin Mitte 2005 in einem Brief an das Auswärtige Amt Sorge, die Brücke könne den freien Blick auf Elbhänge und Stadt zerschneiden und forderte eine Tunnellösung. Die Planer hingegen meinen, das Bauwerk sei eine moderne Interpretation der historischen Bogenbrücken Dresdens und passe daher in die Landschaft. (nz/dpa/AP)