Warnung vor GAU an der Weser:
Greenpeace klettert auf AKW-Kuppel
22.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Greenpeace klettert auf AKW-Kuppel
Um gegen den Betrieb des Kernkraftwerks Unterweser zu protestieren, sind Greenpeace-Aktivisten auf dem Dach der Anlage gelandet. Sie halten den seit 31 Jahren laufenden Reaktor für ein «tödliches Risiko».
Atomkraftgegner der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben am Montag die Kuppel des Kernkraftwerks Unterweser bei Nordenham (nahe Bremerhaven) besetzt. Sie hissten eine Fahne, entfalteten ein Protestbanner mit der Aufschrift «Atomkraft schadet Deutschland» und malten einen Totenkopf auf die Kuppel. Eine Greenpeace-Sprecherin sagte, die Protestaktion richte sich gegen das «tödliche Risiko», das von den ältesten Atomkraftwerken ausgehe.
Der Polizei zufolge nahmen 50 Personen an der Aktion teil, davon etwa 20 auf der 60 Meter hohen Kuppel und 30 am Boden. Die Gruppe am Boden ließ sich ohne Widerstand vom Grundstück führen, wie eine Sprecherin mitteilte. Die Atomkraftgegner in 60 Meter Höhe dagegen werden nicht geräumt, weil das zu gefährlich sei, sagte eine Polizeisprecherin. Wie lange der Protest der Atomkraftgegner andauern soll, ist unklar. Er könne sich durchaus in die nächste Nacht hineinziehen, sagte die Greenpeace-Sprecherin.
Greenpeace fordert die sofortige Stilllegung des 1978 ans Netz gegangenen Reaktors, der vom Energieversorger Eon betrieben wird. Unterweser sei ebensowenig wie sechs weitere Reaktoren – Biblis A und B, Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1 und Neckarwestheim 1 – ausreichend gegen einen Flugzeugabsturz oder einen terroristischen Anschlag aus der Luft geschützt. Das Atomkraftwerk Unterweser sei in dieser Gruppe das leistungsstärkste mit dem größten radioaktiven Inventar, so Greenpeace. Charakteristisch für den Reaktor seien außerdem die besonders dünnen Stahlbetonwände und die niedrigen Sicherheitsvorkehrungen.
«Verheimlicht und verharmlost»«Trotz des tödlichen Risikos, das von den älteren Atomkraftwerken wie Unterweser ausgeht, plant die CDU eine Laufzeitverlängerung für diese Meiler», sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Die Gefährdung der Menschen würde von den Politikern zugunsten des Profits verheimlicht und verharmlost. «Frau Merkel muss endlich Verantwortung für die Sicherheit der Menschen übernehmen und nicht für klingelnde Kassen bei den Stromkonzernen sorgen. Die Atomkraftwerke müssen mit sofortiger Wirkung stillgelegt werden», fordert Smital.
In Deutschland sind noch 17 Atomreaktoren in Betrieb. Laut gesetzlich verankertem Atomausstieg müssen die sieben genannten Atomkraftwerke in den kommenden fünf Jahren abgeschaltet werden. (nz/AP/dpa)