Ein Erfolg des erweiterten Jugendhilfegesetzes?:
Jugendämter holen mehr Kinder aus Familien
16.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Kinder-Gummistiefel in einer Kita
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Immer häufiger greifen Jugendämter und Gerichte ein, wenn sie das Wohl von Kindern und Jugendlichen gefährdet sehen. Laut einer Zeitungs-Umfrage stieg die Zahl der Kinder, die aus den Familien geholt werden, erneut um zehn Prozent an.
Die Misshandlungs- und Vernachlässigungsskandalen der vergangenen Jahre haben offenbar auch bei den Ämtern ihre Spuren hinterlassen. Jugendämter und Familiengerichte greifen laut einer Umfrage der «Süddeutschen Zeitung» bei mehreren statistischen Landesämtern immer häufiger in Familien ein.
Kindschutz im Alltag angekommenDemnach wurden 2008 deutlich mehr Kinder aus ihren Familien herausgeholt als im Vorjahr. In den meisten Bundesländern habe die Steigerung weit über zehn Prozent gelegen, in Hessen sogar bei einem Drittel, schreibt die Zeitung. In den vergangenen fünf Jahren zeigt sich demnach ein kontinuierlicher Anstieg: Inzwischen holten Jugendämter etwa 50 Prozent mehr Kinder aus ihren Familien heraus als im Jahr 2003, heißt es. Jugendämter achteten inzwischen stärker auf Bedürfnisse und Gefährdungen der Kinder, zitiert die Zeitung die Chefin des Münchner Jugendamts, Maria Kurz-Adam: «Der Kinderschutz musste stärker ins Alltagshandeln der Jugendämter hineingeholt werden - das ist eindeutig gelungen.»
Erleichtert worden sei dies durch die Erweiterung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, die seit Anfang 2005 gilt. Das Gesetz verpflichtet Jugendämter seitdem explizit, ihren Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung wahrzunehmen. Sie müssen die Risiken für einzelne Kinder abschätzen und mit anderen Institutionen - etwa Kindergärten - kooperieren, um diese Kinder zu schützen. «Die Reform hat enorm viele positive Anstöße gegeben», sagte Thomas Meysen vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht. Das lange wenig beachtete Thema Kinderschutz sei in vielen Kommunen wesentlich wichtiger geworden.(AP)