Verlosungsquote für Berliner Schulen festgelegt: 

netzeitung.deLotteriespiel um einen Platz am Gymnasium

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Die Mehrzahl ihrer Schüler dürfen die Berliner Gymnasien selbst aussuchen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Mehrzahl ihrer Schüler dürfen die Berliner Gymnasien selbst aussuchen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Auswahlverfahren für besonders nachgefragte Schulen in der Hauptstadt ist nicht außer Kraft gesetzt, aber mit etwas Glück kann jeder Wunsch erfüllt werden. Der Senat hat ein Drittel aller Plätze in die Lostrommel geworfen.

Wer in Berlin auf begehrte Gymnasien will, muss nach dem Willen der rot-roten Regierungsfraktionen künftig ein Auswahlverfahren bestehen oder auf Losglück hoffen. Bis zu 30 Prozent der Plätze an weiterführenden Schulen sollen verlost werden, wenn sich mehr Grundschul-Abgänger bewerben als es Plätze gibt, teilten die Fraktionsspitzen von SPD und Linken am Mittwochabend mit. Damit fällt die Losquote geringer aus als die von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) und der Linken zunächst angepeilten 50 Prozent.

Bisher gibt es nach Angaben der Bildungsverwaltung für 45 Prozent der 96 Berliner Gymnasien mehr Bewerber als Plätze. Derzeit besuchen 79.000 Schüler Gymnasien, zudem gibt es 40.000 Gesamtschüler, 21.000 Real- und 12.000 Hauptschüler. Nach dem neuen Plan dürfen die Schulen neben dem Losverfahren mindestens 60 Prozent der Plätze nach eigenen Kriterien selbst vergeben, bis zu 10 Prozent bleiben für Härtefälle. Darunter fallen etwa Kinder mit Behinderung oder Geschwister, die nach Möglichkeit dieselbe Schule besuchen sollen, wenn sie wollen. Ein Sprecher der Bildungsverwaltung betonte am Donnerstag, dass aufgrund dieser Aufteilung wohl nur ein geringer Teil der Schüler von der Vergabe im Losverfahren betroffen sein werde.
Kritik von Eltern verhinderte höhere Losquote
Das Losverfahren ist Teil der Schulreform des rot-roten Senats, der ab dem Schuljahr 2010/2011 die Haupt-, Real- und Gesamtschulen abschaffen will.
Stattdessen treten sogenannte Sekundarschulen neben das Gymnasium, die auch den Weg zum Abitur eröffnen. Sitzenbleiben und Wechsel zwischen den Schulformen sollen nach Zöllners Schulreform die Ausnahme bleiben. Die Kritik von Eltern und Lehrern führte dazu, dass ursprüngliche Pläne für eine noch höhere Losquote aufgegeben wurden.

«50 Prozent hätte zu viel Unruhe gebracht», sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Müller. Zu viele Schüler müssten sonst wohl nach dem Probejahr das Gymnasium wieder verlassen. «Uns war wichtig, eine Regelung zu finden, bei der Bildungserfolg und soziale Herkunft entkoppelt werden», meinte Linken-Fraktionschefin Carola Bluhm.

«Wer soll sich da noch anstrengen?»
Kritik an der Einigung kam von der FDP: «Dieser faule Kompromiss zwischen SPD und Linken zeigt, dass sich in der rot-roten Koalition die Ideologen gegen die Vernunft durchsetzen», teilte die Fraktion mit. Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion sagte der Abgeordnete Stefan Müller: «Lernschwächeren Kindern ist nicht damit geholfen, durch Losglück ans Gymnasium zu kommen. Die Verlosung von Plätzen an Gymnasien ist ein verheerendes Signal an die junge Generation. Es zählen nicht mehr Leistung, ein besserer Notendurchschnitt und die Einschätzung erfahrener Pädagogen, sondern das Losglück. Wer soll sich da noch anstrengen?» (dpa)