Paritätischer Wohlfahrtsverband warnt: 

netzeitung.de«Armutsatlas» teilt Deutschland in drei Teile

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Der erste deutsche Armutsatlas (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der erste deutsche Armutsatlas
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Mecklenburg-Vorpommern ist nun offiziell das Armenhaus Deutschland, materiell besonders gut geht es angeblich den Menschen im Schwarzwald. Eine neue Studie teilt das Land per Karte in Arm und Reich, und will auch zeigen, dass die Politik nicht einmal zu helfen versucht.

Deutschland ist in der regionalen Verteilung von Besitz und Einkommen dreigeteilt. Das geht aus dem ersten Armutsatlas hervor, den der Paritätische Wohlfahrtsverband am Montag in Berlin vorstellte. Am ärmsten ist der Osten, am wohlhabendsten der Süden, die west- und nordwestlichen Bundesländer liegen dazwischen. Regional gibt es sehr große Unterschiede, selbst innerhalb eines Bundeslandes. Die Spannbreite der Armutsquoten ist weit höher, als Durchschnittswerte vermuten lassen.

Während in Baden-Württemberg jeder zehnte unterhalb der Armutsschwelle lebt, ist es in Mecklenburg-Vorpommern fast jeder Vierte. Die durchschnittliche Quote für Deutschland lag 2007, also vor der Wirtschaftskrise, bei 14,3 Prozent, im Osten Deutschlands betrug sie 19,5, im Westen 12,9 Prozent. Der stellvertretende Parteivorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, sprach von verheerenden sozialen Verhältnissen im Osten. Aber auch im Westen gebe es Regionen mit dramatischen Armutsquoten.

Ganz hinten: Mecklenburg-Vorpommern
Das ärmste Bundesland, gemessen an der Armutsgrenze der deutschen und europäischen Statistik, ist Mecklenburg-Vorpommern mit einer Armutsquote von 24,3 Prozent. Es folgen Sachsen-Anhalt, Sachsen, Bremen und Thüringen. Berlin und Brandenburg stehen mit einer Armutsquote von 17,5 Prozent immer noch deutlich schlechter da als das zweitärmste Bundesland im Westen, das Saarland, wo die Quote 16,8 Prozent beträgt.

Gemessen an regionalen Armutsquoten zeigen sich sehr große Unterschiede zwischen den Regionen. Sie reichen von 7,4 Prozent im Schwarzwald bis zu 27 Prozent in Vorpommern, also fast dem Vierfachen. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, erklärte, der Armutsatlas zeige, dass Deutschland nicht nur sozial, sondern auch regional tief zerrissen sei. In Niedersachsen finden sich Armutsquoten zwischen 20,3 Prozent in Ostfriesland und 12,4 Prozent nordwestlich der Landeshauptstadt Hannover. In Bayern liegt die Quote in der Bayreuther Region fast doppelt so hoch wie um München herum.
Konjunkturprogramme bringen gar nichts
Die Lebensbedingungen seien sehr unterschiedlich, ganze Regionen seien in Gefahr, «abgehängt» zu werden, sagte Schneider. Zudem verlaufe die Armutsentwicklung regional. Während in den Stadtstaaten Bremen, Berlin und Hamburg die traditionell hohen Armutsquoten zurückgehen, nimmt die Armut in einem westlichen Bundesland, im Saarland, zu.

Schneider kritisierte die Strategien zur Armutsbekämpfung als ineffizient und sprach besonders den Konjunkturprogrammen jede positive Wirkung zur Stärkung von Regionen oder den armen Bevölkerungsschichten ab. Die Abwrackprämie begünstige Menschen, die sich einen Neuwagen leisten könnten, sagte er. Durch die kommunalen Investitionsprogramme fließe ein Drittel der zusätzlichen Milliarden allein in die reichen Länder des Südens. Mit Blick auf die Krise prognostizierte Schneider eine Zunahme der Armut ab 2010. In diesem Jahr würden die Krisenfolgen noch abgefangen, etwa durch das Kurzarbeitergeld.

Die Sozialforscher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes erarbeiteten den Armutsatlas auf der Basis von Armutsquoten aus den Jahren 2005 bis 2007. Die regionalen Quoten wurden vom Statistischen Bundesamt errechnet. Fast 20 Karten geben Aufschluss über die Armut in den Bundesländern und deren Regionen.

Die Armutsgrenze liegt nach offiziellen europäischen und deutschen Vereinbarungen bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Wer weniger hat, gilt im Vergleich zu anderen als arm. Die Schwelle lag für einen Alleinstehenden 2007 bei 764 Euro im Monat, für ein Paar mit zwei Kindern bei 1.835 Euro, für eine Alleinerziehende mit einem Kind bei 994 Euro. Das sind Beträge leicht über den Hartz-IV-Bezügen inklusive Miete und Heizung. Ein alleinstehender Hartz-IV-Empfänger kann durchschnittlich mit einer Unterstützung von 700 Euro im Monat rechnen.(epd)