Kritik am geplanten Paintball-Verbot: 

netzeitung.deEin «Paradebeispiel für Aktionismus»

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Farbige Sache: Paintball (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Farbige Sache: Paintball
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden plant die Regierung, das Schießen mit Farbkugeln zu verbieten. Doch nicht nur Oppositionspolitiker, sondern auch Kriminologen und Psychologen bezweifeln, dass das sinnvoll ist.

Das von der Großen Koalition beschlossene Verbot von Ballerspielen wie Paintball ist von vielen Seiten kritisiert worden. Oppositionspolitiker, Polizisten und Soziologen bemängelten vor allem, dass es sich bei dem Beschluss um Aktionismus handele, der einen Amoklauf wie den von Winnenden nicht verhindern könne.

Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden wollen CDU und SPD Kampfspiele wie Paintball oder Laserdome verbieten. Die Innenexperten der Parteien haben sich mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf eine umfassende Verschärfung des Waffenrechts verständigt, die noch im Mai in den Bundestag eingebracht werden soll.
«Lächerliche Symbolpolitik»
Mit dem geplanten Verbot von Kampfspielen betreibe die Regierungskoalition «lächerliche Symbolpolitik», kritisierte die innenpolitische Sprecherin der Fraktion der Linken, Ulla Jelpke. «Bei Amokläufen und familiären Blutbädern kommen schließlich keine Farbkugeln sondern scharfe Waffen zum Einsatz», teilte Jelpke mit.

Auch der Chef der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale, Johannes Vogel, bemängelte den Verbotsplan von Paintball als «puren Aktionismus». Es fehle nur noch, «dass die Regierung auch Schießbuden und Schützenvereine verbieten will», sagte Vogel der «Rheinischen Post».

Polizei versteht es nicht
Von Seiten der Polizei wurde Unverständnis gegenüber dem Verbotsplan geäußert. «Natürlich kann man diese Art der Freizeitbeschäftigung kindisch oder dumm finden, aber ob kriminologisch ein Zusammenhang zu schweren Straftaten besteht, wage ich zu bezweifeln», sagte Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, gegenüber «Spiegel Online».

Zudem bezweifeln Polizisten, ob ein Paintball-Verbot überhaupt durchsetzbar ist. «Es muss jedem klar sein, dass in Deutschland kein Polizist Zeit dafür hat, in Wäldern und auf Feldern Paintballspieler zu verfolgen», zitierte «Spiegel Online» den Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Seiner Meinung nach mache aber ein Verbot habe nur Sinn, wenn man es kontrollieren könne.

Psychologe relativiert
Auch aus der Wissenschaftswelt wurden Zweifel an der Wirksamkeit des Verbotes geäußert. Der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes kritisierte, der Vorschlag sei «ein Paradebeispiel für symbolische Politik und Aktionismus.» Es werde erneut ein Nebenschauplatz eröffnet. «Und das zeigt, dass das eigentliche Problem überhaupt nicht erkannt wurde», kritisiert er.

Der Hildesheimer Psychologe Werner Greve hat zwar nichts gegen ein Verbot einzuwenden, erwartet davon aber auch keine allzu große Wirkung. Für ihn geht es bei der Beurteilung vor allem um die Gründe des einzelnen Spielers: »Man muss dabei ganz unterschiedliche Motivationen unterscheiden, obwohl es auf den ersten Blick um ein und dieselbe Freizeitbeschäftigung zu gehen scheint. Neben den reinen Spielern gibt es sicher auch solche, die etwa ernsthaft das Schießen trainieren. Eine solche paramilitärische Betätigung ist natürlich gefährlicher.« (nz/AP/dpa)