10.03.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Kälber-Leasing-Plattform
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kälbchen aussuchen, Mietvertrag unterschreiben, fertig: Eine Kälberleasing-Plattform im Internet bietet eine Einkaufsalternative für BSE-, MKS- und TBC-Traumatisierte.
BERLIN. Seit Donnerstag ist auch Bauer Dietmar Gottfriedsen von der Försterei Friedrichslust dabei: Er bietet seine Kälber als Leasing-Objekte feil, im Internet.
Ihren neuen Status haben die Tiere der IT-Fachfrau Ute Wachsmuth zu verdanken. «Warum soll man immer warten, bis andere etwas machen», hat sich Ute Wachsmuth vor ein paar Wochen gedacht. Damals hatte sie gerade eine Internet-Firma in Siezbüttel bei Hamburg gegründet und alle sprachen über BSE. Auch Ute Wachsmuth fragte sich, wo sie noch Rindfleisch kaufen könne.
www.unser-kalb.de war ihre Antwort. Auf der Website bieten inzwischen zehn Bauern aus Siezbüttel und Umgebung ihre Kälber an als ganz persönliche Fleisch-Lieferanten. Wer sicher sein will, wo der Braten auf seinem Teller herkommt, kann ein Kälbchen leasen.
Der Kunde darf sich im Stall umsehen und sein Wunschtier aussuchen. Gegen eine monatliche Gebühr ziehen die Landwirte das Tier artgerecht auf, bis es groß genug ist, um geschlachtet zu werden. Garantiert ohne Tiermehl, Wachstumsbeschleuniger und Antibiotika. Ein BSE-Test gehört auch dazu.
Ganz billig ist das geleaste Kalb nicht: rund 110 Mark im Monat bei zwei Jahren Laufzeit. Gruppen-Verträge sind ausdrücklich erwünscht.
«Was für Stadtmenschen»Der Ansturm auf die lebenden Leasingobjekte hält sich bislang in Grenzen. Bei Gunther Heesch in Puls (Kreis Steinburg) stehen 150 Kühe im Stall vermieten konnte er noch keine. «So große Hoffnungen machen wir uns nicht», sagt er. Wenn überhaupt, dann sei das Kuhleasing wohl eher etwas für «Stadtmenschen»: «Die Landbevölkerung weiß ja ohnehin, wie das bei uns im Stall läuft.» Auch bei Bauer Jens Claußen in Bockelrehm hat sich noch kein Kunde gemeldet.
Einen Kalb-Mietvertrag hat selbst Ute Wachsmuth bisher nicht unterschrieben. Allerdings nicht, weil sie ihrem Projekt misstraut: «Wir haben nur noch keine Kühltruhe.»