28.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Demonstranten in Berlin
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Stoppt den Bonuswahn» und «Wir zahlen nicht für eure Krise»: In Berlin und Frankfurt versammelten sich mehrere Zehntausend zu Protesten gegen die bestehende Wirtschaftsordnung und die Verursacher der Krise.
Tausende Menschen haben am Samstag in Berlin und Frankfurt am Main gegen die Krisenpolitik der großen Industrienationen demonstriert. Auf Flugblättern und Transparenten wurde gefordert, die Banken für die Krise in Haftung zu nehmen statt Arme und Beschäftigte. Nötig sei ein solidarisches und ökologisches Weltwirtschaftssystem.
Demonstranten zeigten Plakate mit Aufschriften wie «Die Milliarden, die jetzt verbraten, zahl'n unsere Kinder noch in Raten» oder «Stoppt den Bonuswahn». Die Veranstalter kritisieren eine «Verstaatlichung der Verluste» durch die Finanzkrise, während für viele soziale Aufgaben «angeblich kein Geld» da sei. Stattdessen sollten die Verursacher der Krise zur Kasse gebeten werden.
Hintergrund der Proteste ist der G20-Gipfel, zu dem sich die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer am kommenden Donnerstag in London treffen. Zu den Demonstrationen unter dem Motto «Wir zahlen nicht für eure Krise» hatte ein breites Bündnis aufgerufen, darunter Gewerkschaften, Attac, Umweltverbände und die Linkspartei.
«Voller Erfolg»Das globalisierungskritische Netzwerk Attac wertete die Demonstrationen als «vollen Erfolg». Attac schätzte die Zahl der Demonstranten in Frankfurt auf 25.000, in Berlin demonstrierten demnach 30.000 Menschen. Im Vorfeld hatte das Bündnis insgesamt mit nur 20.000 Teinehmern gerechnet.
Die Veranstalter kritisierten das «unseriöse Vorgehen» der Polizei, die bereits vor Beginn der Kundgebung «unhaltbar niedrige Teilnehmerzahlen» bekannt gegeben habe. Die Polizei in Frankfurt sprach von 10.000 Demonstranten, in Berlin hatte die Polizei die Teilnehmerzahl mit mehreren tausend angegeben.
Attac teilte mit, damit sei klar, dass auch in Deutschland ein großer Teil der Bevölkerung «für eine soziale Form der Krisenpolitik eintritt, die die Kosten der Krise nicht auf die ärmeren Bevölkerungsgruppen abwälzt». In beiden Städten seien die Demonstrationen «sehr bunt», die Stimmung sei bestens. Auffallend sei zudem, dass unter den Teilnehmern viele seien, die sich erstmals an einer Demonstration beteiligen.
Die Polizei sprach am Mittag von friedlichen Protesten. In Frankfurt schützte sie mit mehreren Hundertschaften die Eingänge der Bankhochhäuser auf der Route der Demonstration.
Auch 15.000 bei Demo in LondonEine ähnliche Demonstration gab es am Samstag auch in London. Dort versammelten sich mehr als zehntausend Menschen aus aller Welt zu einem Protestmarsch anlässlich des G20-Gipfels. Mit Plakaten und Spruchbändern machten sie unter dem Motto «Jobs, Gerechtigkeit und Klimaschutz» ihrem Unmut über Armut und das Weltfinanzsystem Luft. Zu dem friedlichen Marsch durch die Innenstadt zum Hyde Park kamen nach Angaben der Polizei bis zu 15.000 Menschen. Teilnehmer sprachen von einer «Karnevalsatmosphäre».
Die Polizei war zwar mit einem Großaufgebot im Einsatz, Festnahmen gab es aber zunächst nicht. Die Veranstalter kritisierten ein «massives Polizeiaufkommen» und bekräftigten ihren Willen zu «friedlichen Protesten». Die Polizei hatte vor einer «noch nie dagewesenen» Gefahr durch die vielen Aktionen gewarnt. Die Demo an diesem Samstag ist der Auftakt einer Reihe von Protesten, die vor dem Gipfel am kommenden Donnerstag stattfinden sollen. Proteste sind vor allem am Mittwoch am Bankenplatz in der Londoner City geplant, dabei werden auch Ausschreitungen und Angriffe auf Banken befürchtet. (nz/dpa/AP/epd)