26.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Opposition und Experten kritisieren die Verlängerung der Abwrackprämie
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Nicht nur die Opposition, auch Experten halten gänzlich wenig von den Plänen der Bundesregierung. Der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt fürchtet, dass der Absatz nach Auslaufen der Abwrack-Prämie einbricht.
Politiker von Grünen und FDP haben die von der Bundesregierung geplante Verlängerung der Abwrackprämie für Altautos scharf kritisiert. «Die Abwrackprämie ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch Unfug», sagte der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Fritz Kuhn der Zeitung «Neuen Presse». Wer jetzt mit Staatsgeldern dafür sorge, dass Nachfrage vorgezogen werde, sorge gleichzeitig dafür, dass sie in den Folgejahren fehle. «Das ist, wie wenn man gegen Kälte in der Winternacht Schnaps trinkt», so Kuhn. Zuerst werde es etwas wärmer, dann jedoch viel kälter. «Deswegen trinken manche immer weiter.»
Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Otto Fricke von der FDP, sagte der Zeitung: «Die große Koalition kann sich nur noch auf Geldausgeben einigen.» Er forderte von der Bundesregierung einen Nachtragshaushalt, in dem zusätzliche Kosten für die Abwrackprämie, Mehrausgaben bei Hartz IV und die Ausfälle durch den Einbruch des Wirtschaftswachstums aufgelistet sein müssten. «Der Bund wird vermutlich bei 75 Milliarden Euro Schulden in diesem Jahr landen, inklusive des Bankenrettungsfonds Soffin», prognostizierte Fricke.
Nur ein StrohfeuerDer Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph Schmidt, hält ebenfalls nichts von den Plänen: «Die Abwrackprämie ist ein typisches Strohfeuerprogramm. Allein wegen der Prämie wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen, sich ein neues Auto zu kaufen. Vielmehr werden hauptsächlich geplante Käufe vorgezogen», sagte das designierte Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung der «Rheinischen Post». Die Folge sei, dass nach Auslaufen der Prämie der Absatz einbreche. Längerfristig komme die Automobilindustrie nicht daran vorbei, ihre derzeitigen Überkapazitäten an die Nachfrage anzupassen.
Der Konjunkturexperte des Weltwirtschaftsinstitutes (HWWI), Jörg Hinze, hält eine Verlängerung der Abwrackprämie für sinnvoll. «Zur Jahresmitte oder wenn die 600.000 Fälle ausgeschöpft sind, gäbe es ohne eine Verlängerung ein riesen Loch. Das wäre bei der derzeitigen Konjunkturlage nicht wünschenswert», sagte er dem Radiosender NDR Info. Durch die Abwrackprämie werde nicht nur die Autoindustrie unterstützt, sondern auch ein gesamtwirtschaftlicher Nachfragerückgang abgefedert.
Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, sprach von einem «Strohfeuer». In einem Interview der «Passauer Neuen Presse» sagte er: «Ich bin absolut dagegen. Die Abwrackprämie ist umweltpolitisch und unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit verfehlt.»
Umweltfreundliche Nachbesserung Das Umweltbundesamt (UBA) forderte die Bundesregierung auf, die Abwrackprämie umweltfreundlich nachzubessern. Der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Verkehr, Christoph Erdmenger, sagte im «Saarländischen Rundfunk», es gebe die Chance, bei der Verlängerung zu entscheiden, dass in Zukunft beispielsweise nur noch Fahrzeuge gefördert werden, die unter 140 Gramm CO2 (Kohlendioxid) pro Kilometer ausstoßen, also Sprit sparend sind. Außerdem sollte es die Abwrackprämie nur noch geben, wenn das neue Fahrzeug die strengere Euro-5-Norm erfülle.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatten sich am Mittwoch grundsätzlich darauf verständigt, die Abwrackprämie zur Ankurbelung der Autoindustrie länger laufen zu lassen als geplant. Sie vereinbarten, dass die Prämie keinesfalls über 2009 hinaus gewährt wird. Die Entscheidung über das weitere Verfahren und das künftige Gesamtvolumen soll voraussichtlich nicht mehr vor Ostern fallen, hieß es aus Koalitionskreisen.
Die Prämie von 2500 Euro für die Verschrottung eines mindestens neun Jahre alten Autos und den Kauf eines neuen Fahrzeugs hat sich zu einem Renner entwickelt. Sie sollte bisher auslaufen, sobald der Fördertopf von 1,5 Milliarden Euro aufgebraucht ist. Das würde für etwa 600 000 Anträge reichen. Bis Mittwoch gingen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle 346.741 Anträge ein.