Debatte nach Winnender Amoklauf:
Beck warnt vor falschen Schlüssen
22.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
«Ich sehe nichts, was die Politik nach der Katastrophe von Winnenden ändern könnte», sagte Beck. «Ich kann nur davor warnen, den Eindruck zu erwecken, dass man einen solchen Amoklauf auf irgendeine Weise verhindern könnte.»
Unterdessen mehren sich die Stimmen für ein Verbot von Gewalt verherrlichenden Computerspielen. «Killerspiele haben in Kinderzimmern nichts verloren», sagt der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann der Zeitschrift «Super Illu». «Ein Verbot von gewaltexzessiven Computerspielen ist kein Populismus oder hilfloser Aktionismus. Im Gegenteil: Wer die wachsende Kinder- und Jugendgewalt ernsthaft eindämmen will, kommt an diesem Thema nicht vorbei», sagte der CDU-Politiker.
Computerspiele, bei denen die Ausübung brutalster Gewalt im Mittelpunkt steht, könnten erhebliche sozialschädliche Auswirkungen haben. Zwar werde nicht «jeder, der Killerspiele konsumiert, zu einem potenziellen Amokläufer», sagte Schünemann. Es sei aber aus seriösen Studien bekannt, dass gerade bei labilen Persönlichkeiten virtuelle Gewaltszenarien aggressive Neigungen verstärken könnten. Beim Staatsakt für die 15 Opfer des Amoklaufs vom 11. März im baden-württembergischen Winnenden hatte Bundespräsident Köhler schärfere Bestimmungen für Killerspiele gefordert.
Dagegen äußerte sich der Hohenheimer Professor für interaktive Medien- und Onlinekommunikation, Thorsten Quandt, skeptisch über die Forderung nach gesetzlichen Verboten. «Wir rufen da zu schnell nach dem Staat und nach Verboten. Der Staat soll dann das regeln, was von den Eltern nicht kontrolliert wird», sagte Quandt der Nachrichtenagentur AP. Der Professor rief die Eltern und den Handel auf, Jugendliche stärker zu kontrollieren.
Quandt warnte vor Vorurteilen gegenüber Computerspielen: Man dürfe nicht den simplen Zusammenhang darstellen, dass Computerspiele grundsätzlich dumm, aggressiv und träge machten. Entscheidend dafür, ob Computerspiele negative Auswirkungen haben könnten, sei, wer was wie lange und in welchem Kontext spiele. Millionen Menschen spielten Computerspiele, darunter auch Ego-Shooter, und zeigten kein auffälliges Verhalten.
Im Fall des Amoklaufs von Winnenden sei es nicht auszuschließen, dass Computerspiele eine Rolle gespielt haben. Im Einzelfall könnten Spiele dazu genutzt werden, sich aufzuputschen, oder es könnten Handlungsmuster aus den Medien und Computerspielen imitiert werden. Doch eine solche Tat ausschließlich über Computerspiele erklären zu wollen, hält Quandt für unzureichend. (AP/dpa/nz)

