Traumatisierte Afghanistan-Heimkehrer:
Wenn der Alptraum nicht mehr aufhört
03.02.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Während 2006 nach Angaben des Ministeriums 83 Soldaten professionelle Hilfe wegen posttraumatischen Belastungen in Anspruch nehmen mussten, waren es 2007 schon 149 und im vergangenen Jahr 245. Insgesamt wurden somit 477 Soldaten behandelt. Die meisten psychischen Folgeschäden trugen Afghanistan-Heimkehrer davon: Ihre Zahl stieg von 55 im Jahre 2006 auf 226 im vergangenen Jahr.
Laut Ministerium entspricht die Gesamtzahl von 477 Fällen in den vergangenen drei Jahren bei fast 62.000 Soldaten im Einsatz einer Häufigkeit von 0,77 Prozent. Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes Ulrich Kirsch fürchtet, dass viele traumatisierte Soldaten aus falscher Scham keine Hilfe in Anspruch nehmen. Er forderte die Betroffenen auf, sich nach dem Schock des Erlebten nicht zurückzuziehen, sondern sich für Hilfe zu öffnen.
Die Angst der betroffenen Soldaten, sich vor ihren Kameraden und Freunden zu outen, sei groß, meint auch Verbandssprecher Wilfried Stolze. Sie wollen nicht als «Weicheier» wahrgenommen werden. Stolze verwies darauf, dass die Quote der traumatisierten Soldaten in anderen Nato-Staaten wie Spanien, Frankreich oder Großbritannien bei fünf Prozent liege. Das sei als realistischer einzuschätzen.
Um traumatisierte Soldaten nach ihrer Rückkehr besser zu unterstützen, hat der Bundeswehrverband einen Katalog mit 17 Forderungen zum Thema Posttraumatische Belastungsstörungen aufgestellt. Unter anderem soll eine kostenlose Hotline zur anonymen Beratung und Betreuung von Betroffenen und deren Familienangehörigen eingerichtet werden. Verlangt wird auch, dass zwei Prozent aller Soldaten zum sogenannten Peer ausgebildet werden. Das sind Ansprechpartner unter den gleichgestellten Soldaten, die über Basiswissen in Traumatologie verfügen. Kommandeurs- und Einführungslehrgänge sollten außerdem einen Unterrichtsteil «Psycho-Traumatisierung» enthalten. (nz/dpa/AP)

