Bund übernimmt Schließungskosten: 

netzeitung.deAtom-«Sauhaufen» Asse bleibt bis 2020 offen

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"Sauhaufen ersten Ranges" (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe "Sauhaufen ersten Ranges"
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Salzstock Asse ist nach Meinung von Umweltschützern jahrelang von Kraftwerksbetreibern als billiger Müllplatz benutzt worden. Jetzt muss das Bergwerk auf Kosten des Bundes teuer saniert werden.

Trotz der Einsturzgefahr kann das niedersächsische Atomendlager Asse II nach Darstellung von Experten bis 2020 stabilisiert und offen gehalten werden. Dies berichtete der parlamentarische Staatssekretär Michael Müller (SPD) am Freitag im Bundestag aus einem Fachgespräch im Bundesumweltministerium. Damit habe man genügend Zeit, eine «saubere, allzeit akzeptierte Lösung zu finden».

Bisher hatte es geheißen, das marode Salzbergwerk, in dem 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll lagern, sei bereits 2014 nicht mehr zu betreten. Deshalb war erwogen worden, das Lager einschließlich des Strahlenmülls gezielt zu fluten. Neue Berechnungen hätten nun ergeben, dass man sechs Jahre mehr Zeit für eine geordnete Schließung des Lagers habe, sagte Müller. Bis zum Herbst könne ein Gesamtkonzept vorliegen, sagte er.
Schließung übernimmt der Bund
Dabei werde auch geprüft, ob der Atommüll ganz oder teilweise zurückgeholt und woanders sicher gelagert werden könne. Die Prüfung dieser Option sei gesetzlich geboten, sagte der SPD-Politiker. In die Asse strömen seit Jahren große Mengen Wasser ein. Einzelne Kammern gelten als akut einsturzgefährdet und sollen nun mit Beton verstärkt werden.

Der Bundestag hat am Freitag mit einer Änderung des Atomgesetzes die rechtlichen Vorraussetzung zur Schließung des Lagers geschaffen. Die Kosten dafür wird der Bund übernehmen. Bislang sind 200 Millionen Euro für die Schließung des Bergwerks ausgegeben worden. Mit rund 800 Millionen Euro Schließungskosten wird gerechnet. Die gesamten Sanierungskosten könnten sich auf 2,5 Milliarden Euro erhöhen.

Billige Entsorgungsmöglichkeit
Der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND hat die Entscheidung des Bundestages als «Konjunkturpaket» für die Atomindustrie kritisiert. «Der Fall Asse zeigt nicht nur, wie gefährlich die Lagerung von Atommüll ist, sondern dass für die Risiken der Atomenergie im Zweifel der Steuerzahler aufkommen soll. Der Staat darf die Energiekonzerne jedoch nicht aus der Haftung für den von ihnen verursachten Atommüll entlassen», sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Jahrzehntelang hätten die Atomkraftwerksbetreiber von der billigen Entsorgungsmöglichkeit in der Asse profitiert, ohne dafür Verantwortung zu übernehmen. Das dürfe nicht im Nachhinein legalisiert werden.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Ulrich Kelber, bezeichnete im Bundestag das seit 1965 betriebene ehemalige Forschungsbergwerk Asse als «Sauhaufen ersten Ranges». In dem als Erkundungsendlager betriebenen Salzbergwerk seien dem Anschein nach Fässer eingelagert worden, die nach Recht und Gesetz nicht hätten entgegengenommen werden dürfen, sagte er. «Wir kennen noch nicht einmal alle Abfälle und wissen nicht, ob die Fässer beschädigt sind oder in welchem Zustand sie durch die eintretende Salzlauge sind», kritisierte Kelber.

Neue Sicherheitsrichtlinien
Inzwischen hat der neue Betreiber Änderungen beim Strahlenschutz für Beschäftigte und Besucher unter Tage umgesetzt. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter richtete in der Nähe der Lagerkammern mit radioaktivem Müll Kontroll- und Überwachungsbereiche ein. Diese sind jetzt teils mit Messgeräten ausgestattet und mit Toren abgetrennt, der Zutritt wird damit stärker kontrolliert. Ein Sprecher des BfS sagte, die Zugänge zu Bereichen, in denen es eine Strahlenbelastung gebe, würden überwacht.

Alle Besucher, die unter Tage fahren, bekommen außerdem seit kurzem Dosimeter zur Messung der Strahlendosis und komplette Schutzkleidung. Unter der Regie des früheren Betreibers, dem Helmholtz Zentrum in München, war das nicht der Fall. «Wir haben die Notwendigkeit von der Betreiberseite her nicht gesehen», sagte die für Öffentlichkeitsarbeit in der Asse zuständige Mitarbeiterin Annette Parlitz.

Das Salzbergwerk wird unter dem neuen Betreiber BfS nach Atomrecht geführt, damit sind die Anforderungen an den Strahlenschutz höher. Früher galt für die Asse das weniger strenge Bergrecht. Bis Juni 2008 waren nach Angaben der Asse-Sprecherin Parlitz rund 7000 Besucher pro Jahr in das Bergwerk bekommen, darunter viele Vereine und Schulklassen. Danach wurde der Zugang für normale Besucher eingeschränkt. (nz/dpa/AP)