29.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Erzbischof Robert Zollitsch
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Der Zentralrat der Juden hat den Dialog mit der katholischen Kirche wegen des Eklats um den Holocaust-Leugner Williamson auf Eis gelegt. Der als Brückenbauer bekannte Erzbischof Zollitsch bemüht sich um Schadensbegrenzung.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat Verständnis für die jüdische Haltung im Streit um die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson durch Papst Benedikt XVI. gezeigt. «Ich kann verstehen, dass unsere jüdischen Brüder betroffen sind», sagte der Freiburger Erzbischof am Donnerstag in Mannheim. Die zeitliche Verknüpfung der Veröffentlichung aus dem Vatikan und der Nachricht über den Holocaust-Leugner sei «bedauerlich, nein tragisch».
Der britische Bischof Williamson müsse seine «absolut inakzeptablen» Äußerungen zurücknehmen und sich entschuldigen, forderte Zollitsch. Für Antisemitismus und die Leugnung des Holocausts gebe es in der katholischen Kirche keinen Platz. Zugleich machte Zollitsch sein Unverständnis über das Vorgehen in Rom deutlich: Die Entscheidung sei «im kleinen Kreis» getroffen worden, berichtete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Er habe von ihr aus der Zeitung erfahren.
Zollitsch zeigte sich «persönlich sehr unglücklich» darüber, dass bei der Entscheidung von Papst Benedikt XVI. die Problematik der Person Williamson nicht in Betracht gezogen worden sei. Es sei schwer nachzuvollziehen, dass dies nicht geschehen sei. «Das macht mich sehr betroffen, weil damit manches, was positiv gemeint war, in ein falsches Licht gerät», sagte er.
Benedikt bekräftigt Solidarität mit den JudenDer Papst hatte am Wochenende die Exkommunizierung von vier Anhängern des gestorbenen traditionalistischen Erzbischofs Marcel Lefebvre, darunter auch Williamson, aufgehoben. Dieser hatte in einem Interview erklärt, es gebe Beweismaterial, das gegen die mutwillige Vergasung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs spreche.
Nach heftiger Kritik an der Rehabilitierung hatte der Papst am Mittwoch betont, er empfinde «volle und unstrittige Solidarität» mit den Juden. Der Mord an den Juden solle jedem Mahnung gegen das Vergessen und Leugnen sein. Nach diesem Bekenntnis von Benedikt XVI. verlangte der Zentralrat der Juden in Deutschland, gegen Williamson vorzugehen. «Worten sollten auch Taten folgen», forderte die Zentralrats- Präsidentin Charlotte Knobloch.
Der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer, hat Benedikts Stellungnahme «freudig aufgenommen», erwartet aber auch Konsequenzen für die Bereitschaft des Vatikans zu einem Dialog mit den Juden. Kramer warnte, den katholisch-jüdischen Beziehungen drohe eine «Eiszeit». Knobloch kündigte an: «Unter solchen Voraussetzungen wird es zwischen mir und der Kirche momentan sicher kein Gespräch geben.» Mit dem Kurswechsel des Papstes hin zum Fundamentalismus werde ein jahrzehntelanges Aufbauwerk infrage gestellt, sagte Knobloch der «Rheinischen Post».
Nur «erste Geste»Auch Rabbiner hatten in der Mitteilung des Papstes vom Mittwoch nur eine «erste Geste» zur Beilegung des Streits gesehen. Das sei zwar ein großer Schritt nach vorn, sagte der Generaldirektor des israelischen Ober-Rabbinats, Oded Weiner, der Turiner Tageszeitung «La Stampa». Mit dem Vatikan und mit der israelischen Regierung müsse allerdings noch erörtert werden, «was getan werden muss, um einen Schlussstrich zu ziehen».
Zurückhaltend äußerte sich David Rosen, führender Rabbiner beim interreligiösen Dialog mit dem Vatikan. «Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Ohne eine Entschuldigung von Williamson oder eine Erklärung des Vatikans, dass dieser nicht mehr als Bischof in der Kirche akzeptiert ist, solange er derartige Meinungen äußert, bleibt die Sache zwiespältig.» Israels Botschafter beim Heiligen Stuhl, Mordechai Lewy, begrüßte Benedikts Erklärung dagegen ausdrücklich. Sie kläre vieles und helfe, Missverständnisse zu überwinden.
Der Präsident der Lagergemeinschaft des früheren Dachauer Konzentrationslagers, Max Mannheimer, kritisierte die Rehabilitierung dagegen scharf. «Gerade von einem deutschen Papst, der das NS-Regime noch selbst erlebt hat, hätte ich mehr Fingerspitzengefühl und keine faktische Aufwertung eines widerlichen Antisemiten erwartet», sagte Mannheimer. Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt derweil wegen Volksverhetzung. In Zaitzkofen bei Regensburg, wo Williamson das Interview gegeben hatte, ist ein Priesterseminar der ultrakonservativen katholischen Bruderschaft Pius X., der Williamson angehört. (nz/dpa/AP)