Deutscher Pass erleichtert aber Eingliederung: 

netzeitung.deStudie sieht Türken als Integrations-Verlierer

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Förderung erfahren diese Kinder in einer Integrations-Kita (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Förderung erfahren diese Kinder in einer Integrations-Kita
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Ungenutzte Potenziale» ist nicht nur der Name der Untersuchung, sondern auch ihr Befund. Migranten in Deutschland sind ganz unterschiedlich gut in die Gesellschaft integiert - der überraschende Gewinner sind Aussiedler.

Die Integration von Zuwanderern gestaltet sich in Deutschland weiterhin problematisch. Der am Montag vorgestellten Studie «Ungenutzte Potenziale» des Berlin-Instituts zufolge haben etwa 30 Prozent der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland keinen Bildungsabschluss. Sie sei damit die am schlechtesten integrierte Einwanderergruppe in Deutschland, sagte Institutsdirektor Reiner Klingholz. «Erstaunlich gut» integriert sei demgegenüber die Gruppe der Aussiedler, darunter etwa Deutschstämmige aus Russland.

Ein hoher Anteil an Asylbewerbern aus afrikanischen Ländern oder dem Nahen Osten habe zwar ein hohes Bildungsniveau, könne dies aufgrund des Status auf dem Arbeitsmarkt aber wenig nutzen, sagte Klingholz weiter. Sein Institut beobachte zudem, dass trotz eines niedrigen Bildungsstandards Zuwanderer aus Griechenland und Italien inzwischen «erfolgreich ökonomische Nischen» in Deutschland besetzten. Anders als die Mehrheit der Zugewanderten aus der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien hätten Migranten aus fernöstlichen Ländern ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt gefunden.

Auch regionale Unterschiede
Der türkischstämmige Bevölkerungsteil mit deutschem Pass sei in der Bundesrepublik dabei wesentlich besser integriert als der ohne, sagte Klingholz weiter. «Der deutsche Pass erleichtert anscheinend die Eingliederung.» Zudem sei der Bildungsstand der hier Geborenen besser als der der zugewanderten Eltern. Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kolat Kenat, verwies darauf, dass die türkischstämmige Bevölkerung vor allem als angeworbene Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sei. In die USA oder die Schweiz hingegen seien vor allem hoch qualifizierte Arbeitskräfte eingewandert.

Wie gut Menschen in Deutschland integriert seien, hänge massiv vom regionalen Angebot an Arbeitsplätzen ab, sagte der Sozialwissenschaftler am Berlin-Institut, Steffen Kröhnert. Dort, wo klassische Industriebereiche wie Kohle, Stahl oder Schiffbau lange eine wichtige Rolle gespielt hätten, sei der Anteil meist gering ausgebildeter ehemaliger Gastarbeiter groß. Viele von ihnen seien heute ohne Arbeit und dementsprechend schlecht integriert. Demgegenüber stünden in München, Bonn, Frankfurt am Main und Düsseldorf rund 70 Prozent aller Menschen mit Migrationshintergrund dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Hier seien vergleichsweise viele Migranten in sogenannten Vertrauensberufen oder selbstständig tätig.

Schlusslichter des Städtevergleichs seien von klassisch geprägten Industrien geprägte Großstädte. Dabei schnitten die fränkische Industriemetropole Nürnberg und die Ruhrgebietsstädte Bochum, Herne, Dortmund und Duisburg am schlechtesten ab. Hier sei die Arbeitslosigkeit groß, entsprechend ausgeprägt seien die sozialen Probleme unter den Migranten. Unter den Migranten bilden der Studie zufolge die sogenannten Aussiedler mit rund vier Millionen die größte Gruppe in Deutschland. Sie wird gefolgt von der Gruppe der türkischstämmigen Bevölkerung mit 2,8 Millionen Menschen. (epd)