20.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die Lehman-Zentrale in New York
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Über 1000 Einsendungen wetteiferten um den Titel «Unwort des Jahres». Nach der «Herdprämie» rangelten diesmal Pensionäre, Kläger und die Privatwirtschaft um Platz eins auf der Liste der Sprachschändungen.
Das Unwort des Jahres 2008 ist «notleidende Banken». Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten habe den Begriff aus 1.129 Vorschlägen ausgewählt, sagte Jury-Sprecher Horst Dieter Schlosser in Frankfurt am Main. Der Begriff «Notleidende Banken» stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise rundweg auf den Kopf, erklärte Schlosser zur Begründung.
Bürger diffamiertAuf Platz zwei setzte die Jury den Begriff «Rentnerdemokratie». Damit habe der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog das Schreckbild eines Staates gemalt, in der «die Alten die Jungen ausplündern». Auf dem dritten Platz landete der Begriff «Karlsruhe-Touristen». Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt habe Bürger diffamiert, die wegen Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen vor das Bundesverfassungsgericht gegangen waren und dies beim neuen BKA-Gesetz noch einmal tun könnten. Dies sei ein bedenkliches Verständnis der Grundrechte, sagte der Jury-Sprecher.
Auch ein «Börsen-Unwort» wurde für das Jahr 2008 bestimmt: Es lautet «Leerverkauf», wie Schlosser mitteilte. Dieser Begriff sei irreführend, weil er befürchten lasse, dass «Leerverkäufe» ohne jeden «Inhalt» vonstatten gehen könnten.
Das «Unwort des Jahres» wurde zum 18. Mal bestimmt. Zuletzt wurden «Herdprämie» (2007), «Freiwillige Ausreise» 2006), «Entlassungsproduktivität» (2005), «Humankapital» (2004) und «Tätervolk» (2003) gekürt. (epd)