Fast neun Prozent weniger: 

netzeitung.deOrganspende-Experten fordern gelockerte Regelung

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Bei einer Operation wird einem Spender eine Niere entnommen. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bei einer Operation wird einem Spender eine Niere entnommen.
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Deutlich weniger Deutsche haben im vorigen Jahr Organe gespendet. Experten fordern, das Gesetz zu ändern: Dann könnten einem Toten Organe entnommen werden, wenn er zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat.

Erstmals seit 2004 sind in Deutschland die Organspenden zurückgegangen. 2008 hätten bundesweit 1198 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet, das waren 8,8 Prozent weniger als im Jahr davor, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Die Anzahl der gespendeten Organe habe sich von 4140 auf 3945 reduziert, hieß es weiter.

Seit 2004 war die Zahl der Spender kontinuierlich gestiegen, von 1081 im Jahr 2004 auf 1313 im Jahr 2007. Bundesweit starben im vergangenen Jahr laut DSO rund 1000 Patienten, die auf der Warteliste für ein Organ standen. Insgesamt warten derzeit rund 12.000 Menschen auf eine lebensrettende Transplantation.

Angesichts des Rückgangs an Spendern forderte die DSO den Gesetzgeber zu durchgreifenden Reformen auf. Das Transplantationsgesetz müsse dringend geändert werden. Nach dem Gesetz aus dem Jahr 2002 sei die Organspende die Gemeinschaftsaufgabe vieler Beteiligter wie Krankenhäuser, Gesundheitsverwaltungen, Ärztekammern und Ministerien. «Jeder kann sich hinter dem Begriff Gemeinschaftsaufgabe verstecken, es gibt zu wenige Verbindlichkeiten», kritisierte DSO-Vorstandsmitglied Günter Kirste.

Seiner Einschätzung nach könnte mit besseren Strukturen die Zahl der Spenden verdoppelt werden. Die DSO verwies auf Spanien als Erfolgsmodell – dort kommen 34 Spender auf eine Million Einwohner, hierzulande waren es im vergangenen Jahr nur 14,6. In Spanien beruhe der Erfolg auf einer übergeordneten Zuständigkeit der Spendeorganisation für die Bereiche Spendererkennung, Spenderbehandlung, Gesprächsführung mit den Angehörigen sowie der Organisation aller Abläufe, so die Stiftung.

Auch der forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, sieht Handlungsbedarf. So sei zu prüfen, ob die derzeit geltende Zustimmungsregelung zur Organspende nicht von einer Widerspruchslösung ersetzt werden könne. Damit könnten einem Toten Organe entnommen werden, wenn er dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Derzeit gilt hierzulande die «erweiterte Zustimmungslösung»: Entweder besitzt der Spender einen speziellen Organspendeausweis oder die Angehörigen müssen entscheiden, was der Wille des Betroffenen gewesen wäre. (dpa/AP)